Schlaganfall
Ein Schlaganfall gilt als akuter Notfall, der das Leben der Erkrankten und ihrer Angehörigen blitzschnell verändert. Der sogenannte Hirnschlag zählt zusammen mit anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu den häufigsten Todesursachen in der Schweiz. Im Jahr 2022 machten sie bei den Männern 26 % und bei den Frauen fast 29 % aller Todesfälle aus.
Betroffen sind vorwiegend ältere Menschen: Von den rund 20’000 Hirnschlägen in der Schweiz erleiden drei Viertel Personen ab 65 Jahren. Gerade in der Seniorenbetreuung zuhause spielt das Thema deshalb eine zentrale Rolle. Es gilt, Risikofaktoren frühzeitig zu erkennen, Präventionsmassnahmen umzusetzen und im Ernstfall richtig zu handeln.
Was ist ein Schlaganfall?
Ein Schlaganfall (zerebrovaskulärer Insult, Apoplex oder Hirnschlag) ist eine Unterbrechung der Blutversorgung des Gehirns. Diese Unterbrechung führt zu einer Unterversorgung der betroffenen Hirnareale mit Sauerstoff und Nährstoffen. Dadurch kommt es innerhalb weniger Minuten zum Absterben von Gehirnzellen und zum Ausfall von Hirnfunktionen.
Grundsätzlich unterscheidet man zwischen dem ischämischen Schlaganfall und dem hämorrhagischen Schlaganfall.
- Ischämischer Schlaganfall (Hirninfarkt): Dies ist die häufigste Form. Sie macht 80 bis 85 % aller Fälle aus. Hierbei wird eine Hirnarterie durch ein Blutgerinnsel oder einen anderen Mechanismus blockiert.
- Hämorrhagischer Schlaganfall (Hirnblutung): Bei diesem Typ kommt es zu einer Blutung im Gehirn oder in den Hirnhäuten. Die Ursache ist in der Regel ein geplatztes Blutgefäss.
Einen Sonderfall stellt die transitorische ischämische Attacke (TIA) dar. Sie ist auch als „Mini-Schlaganfall“ bekannt und entsteht durch eine vorübergehende Durchblutungsstörung eines Hirnareals. Die Symptome sind denen eines Schlaganfalls ähnlich. Sie bilden sich aber in der Regel nach wenigen Minuten, spätestens innerhalb von 24 Stunden, vollständig zurück. Achtung: Die TIA ist ein wichtiges Warnsignal. Sie erhöht das Risiko für einen späteren Schlaganfall erheblich.
Ursachen und Risikofaktoren: Was löst einen Schlaganfall aus?
Mit fortschreitendem Lebensalter steigt das Risiko für einen Schlaganfall signifikant an. Grund dafür ist, dass die Blutgefässe mit der Zeit an Elastizität verlieren und sich Ablagerungen (Arteriosklerose) bilden. Diese beeinträchtigen die Durchblutung des Gehirns. Zudem treten im Alter häufiger Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes sowie Herzerkrankungen auf, die das Risiko zusätzlich erhöhen.
Auch das Geschlecht spielt eine Rolle: Männer sind bis Mitte 80 deutlich häufiger von Schlaganfällen betroffen als Frauen. Aufgrund der durchschnittlich höheren Lebenserwartung erleiden Frauen jedoch insgesamt häufiger Hirnschläge als Männer. Vor allem in sehr hohem Alter.
Die wichtigsten Risikofaktoren im Überblick
Medizinische Risikofaktoren | Risikofaktoren im Alltag |
Bluthochdruck (Hauptrisikofaktor) Herzrhythmusstörungen Diabetes mellitus Erhöhte Cholesterinwerte Familiäre Vorbelastung Bestimmte Bluterkrankungen (z. B. Sichelzellanämie) Vorerkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems | Rauchen Übermässiger Alkoholkonsum Drogenmissbrauch (z. B. Kokain, Amphetamine) Übergewicht Bewegungsmangel Ungesunde Ernährung (fettreiche, salzreiche Kost) Chronischer Stress |
Die Kombination mehrerer Faktoren erhöht die Gefahr überproportional. Viele von ihnen lassen sich jedoch durch eine gesunde Lebensweise und regelmässige Vorsorgeuntersuchungen positiv beeinflussen. Wer auf Blutdruck, Blutzucker und ein gesundes Gewicht achtet, kann das Schlaganfallrisiko deutlich senken.
Was sind die ersten Anzeichen eines Schlaganfalls?
Erste Hinweise treten meist plötzlich auf und deuten auf eine Störung der Gehirnfunktion hin. Achten Sie auf folgende Warnzeichen:
- Schwäche oder Lähmung einer Körperseite (Arm, Bein oder Gesicht).
- Herabhängen eines Mundwinkels oder Schwierigkeiten bei der Kontrolle der Gesichtsmuskeln.
- Schwere Sprachstörungen wie undeutliche Sprache oder Unfähigkeit, Worte zu finden oder zu artikulieren.
- Taubheit oder Kribbeln auf einer Seite des Körpers (im Arm, Bein oder Gesicht).
- Sehstörungen, z. B. verschwommenes Sehen, Doppeltsehen oder Verlust der Sehkraft in einem Auge.
- Starke Kopfschmerzen ohne erkennbare Ursache, oft begleitet von Übelkeit oder Schwindel.
- Probleme beim Gehen, Gleichgewichtsverlust oder Schwierigkeiten, Arme und Beine zu kontrollieren.
Die FAST-Methode: Daran erkennen Sie einen Hirnschlag
Die FAST-Methode ist eine einfache und effektive Methode zur Erkennung von Schlaganfällen. Sie basiert auf der Cincinnati Prehospital Stroke Scale (CPss), die 1997 speziell für Rettungskräfte entwickelt wurde. Jeder Buchstabe steht für eine Massnahme, die Sie bei Verdacht ergreifen sollten.
- F ace (Gesicht): Bitten Sie die betroffene Person zu lächeln oder die Zähne zu zeigen. Hängt ein Mundwinkel nach unten? Alternativ können Sie die Person auffordern, beide Wangen aufzupusten. Üben Sie sanften Druck auf die Wangen aus. Achten Sie darauf, ob die Person den Widerstand auf beiden Seiten gleichermassen gut aufrechterhalten kann.
- A rms (Arme): Bitten Sie die Person, beide Arme mit offenen Handflächen nach oben zu heben oder nach vorn auszustrecken. Sinkt ein Arm nach unten?
- S peech (Sprache): Bitten Sie die Person, einen einfachen Satz zu wiederholen. Klingt die Sprache undeutlich oder verwaschen?
- T ime (Zeit): Trifft eine der genannten Auffälligkeiten auf, müssen Sie umgehend den Notruf wählen.
Je schneller Sie auf diese Anzeichen reagieren, desto grösser ist die Chance, Folgeschäden zu vermeiden.
Erste Hilfe bei Schlaganfall: So reagieren Sie richtig
Bei einem Hirnschlag kommt es auf jede Sekunde an. Die folgenden Handlungsempfehlungen zeigen Ihnen, wie Sie sich in dieser Notsituation angemessen verhalten.
- Rufen Sie bei Verdacht auf einen Schlaganfall sofort die Notrufnummer 144 an. Notieren Sie den Zeitpunkt des Symptombeginns und bitten Sie ggf. anwesende Personen um Hilfe.
- Sprechen Sie beruhigend auf den Betroffenen ein und öffnen Sie enge Kleidungsstücke.
- Ist der Patient bei Bewusstsein, lagern Sie ihn mit leicht erhöhtem Oberkörper (ca. 30 Grad). Bei Bewusstlosigkeit in die stabile Seitenlage bringen, möglichst auf die gelähmte Seite.
- Dem Betroffenen nichts zu essen oder zu trinken geben. Dies könnte zu gefährlichen Komplikationen durch Schluckstörungen führen.
- Kontrollieren Sie die Atmung und den Puls. Bei Atem- oder Herzstillstand müssen Sie unverzüglich mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung beginnen.
- Bleiben Sie vor Ort. Beobachten Sie Zustandsveränderungen und informieren Sie den Rettungsdienst über alle Beobachtungen..
Die Behandlung von Schlaganfällen
Die Behandlungsmethoden haben sich in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt. Hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Aspekte.
Akutbehandlung
Zunächst erfolgt eine rasche Diagnostik, um festzustellen, ob es sich um einen Hirninfarkt oder um eine Hirnblutung handelt. Dies geschieht durch bildgebende Verfahren wie Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT).
Bei einer Hirnblutung geht es in der Akutbehandlung hauptsächlich darum, den Hirndruck durch das austretende Blut zu senken. Manchmal ist hierbei eine Operation notwendig.
Handelt es sich um einen ischämischen Schlaganfall, wird häufig eine medikamentöse Auflösung des Blutgerinnsels (Thrombolyse) durchgeführt. Diese Therapie ist vor allem in den ersten viereinhalb Stunden nach Symptombeginn erfolgreich.
Bei grösseren Gefässverschlüssen erfolgt eine mechanische Thrombektomie. Dabei wird das Blutgerinnsel mit einem Katheter direkt aus dem betroffenen Gefäss entfernt, um die Blutversorgung rasch wiederherzustellen.
Neuere Studien zeigen, dass die Thrombektomie bis zu 24 Stunden nach Symptombeginn erfolgreich sein kann. Dies erweitert die Möglichkeiten für viele Patient:innen, insbesondere wenn der genaue Zeitpunkt des Symptombeginns unbekannt ist. Die Behandlung erfolgt idealerweise in einer spezialisierten Stroke-Unit, die über die notwendige Expertise und technische Ausstattung verfügt.
Rehabilitation und Nachsorge
Im Anschluss an die Akutbehandlung beginnt die Rehabilitation. Sie umfasst je nach Bedarf Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und neuropsychologische Unterstützung.
Die Nachsorge vereint mehrere Teilbereiche. Zum einen beinhaltet sie die langfristige Unterstützung bei der Wiederherstellung verloren gegangener Funktionen. Hinzu kommt die Vorbeugung eines erneuten Schlaganfalls durch Änderung des Lebensstils.
Akutbehandlung und Rehabilitation werden in der Schweiz als integrierter Prozess verstanden, individuell abgestimmt auf die Bedürfnisse von Patient:innen.
Besonderheiten in der Betreuung von Senior:innen nach einem Schlaganfall
Die 24-Stunden-Betreuung nach einem Schlaganfall erfordert besondere Aufmerksamkeit und eine angepasste Vorgehensweise. Ältere Menschen leiden häufig unter zusätzlichen gesundheitlichen Einschränkungen. Deshalb benötigen sie eine intensivere Fürsorge, um ihre Lebensqualität zu erhalten.
Körperliche Unterstützung und Mobilisierung
Sanfte Bewegungsübungen: Nach einem Schlaganfall sind Betroffene in ihrer Mobilität eingeschränkt. Angepasste Bewegungsübungen mit einem Physiotherapeuten helfen, die Beweglichkeit zu erhalten und Muskelverspannungen vorzubeugen.
Überlastung vermeiden: Die Mobilisation sollte immer dem individuellen Zustand angepasst werden. Schon kleine Fortschritte im Alltag, wie selbstständiges Sitzen oder das Heben der Arme, tragen zum Erhalt der Selbstständigkeit bei.
Einsatz von Mobilitätshilfen: Rollatoren, Rollstühle oder Hebehilfen vereinfachen die Fortbewegung in der Wohnung. Rutschfeste Teppiche und Haltegriffe sorgen für zusätzliche Sicherheit.
Ernährung und Schlucktraining
Schluckstörungen bewältigen: Viele Patient:innen leiden nach einem Schlaganfall unter Schluckstörungen (Dysphagie). Eine logopädische Betreuung sowie die Anpassung der Nahrungskonsistenz (weiche oder pürierte Kost) erleichtern das Schlucken. Zudem beugen sie einer Mangelernährung vor.
Ernährungspläne: Eine ausgewogene Ernährung spielt eine zentrale Rolle bei der Genesung. Ernährungspläne sollten auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt sein und auch Begleiterkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck berücksichtigen.
Kognitive und emotionale Unterstützung
Förderung der kognitiven Fähigkeiten: Übungen zur geistigen Aktivierung, wie einfache Spiele oder Gespräche, halten das Gehirn aktiv. Wichtig ist, dass die Übungen dem kognitiven Zustand entsprechen und keinen zusätzlichen Stress auslösen.
Psychologische Unterstützung: Die Bewältigung der veränderten Lebenssituation stellt für ältere Menschen eine grosse Herausforderung dar. Eine psychologische Betreuung oder auch nur die einfühlsame Begleitung durch Betreuungspersonen helfen, emotionale Belastungen wie Ängste oder Depressionen abzubauen.
Einbindung von Angehörigen und Betreuer:innen
Schulungsmassnahmen: Schulungen für Angehörige und im Zuge der Pflegehelfer-Ausbildung vermitteln wichtige Kenntnisse im Umgang mit den Folgen des Schlaganfalls und der Pflegebedürftigkeit. Das Verständnis für die neue Situation erleichtert die Pflege und stärkt die Beziehung zwischen Betroffenen und Angehörigen.
Entlastung durch ambulante Pflegedienste: Bei körperlich anstrengenden Aufgaben wie Körperpflege oder Mobilisation können ambulante Pflegedienste unterstützen. Sie strukturieren den Alltag und entlasten die Angehörigen.
Fazit
Schlaganfälle sind einschneidende Ereignisse, die das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen stark verändern. Eine rasche Akutbehandlung mit anschliessender gezielter Rehabilitation und Nachsorge erhöht die Chancen auf eine bestmögliche Genesung. Dabei spielt die kontinuierliche Betreuung, insbesondere älterer Menschen, eine zentrale Rolle.
Neben der körperlichen und kognitiven Rehabilitation sind die Prävention eines erneuten Schlaganfalls sowie die emotionale und soziale Unterstützung entscheidend. Ein strukturierter Pflegeplan trägt deutlich zur nachhaltigen Verbesserung der Lebensqualität bei.