Rheumatoide Arthritis
Was ist rheumatoide Arthritis?
- Rheumatoide Arthritis (RA) ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung.
- Das Immunsystem richtet sich fälschlicherweise gegen körpereigene Strukturen – vor allem gegen die Gelenkinnenhaut (Synovia).
- Klassisch beginnt die Erkrankung in den kleinen Gelenken der Hände und Füsse, oft auch in den Handgelenken. Im weiteren Verlauf können auch grössere Gelenke betroffen sein.
- Häufig verläuft die Erkrankung in Schüben: Phasen mit stärkeren Beschwerden wechseln sich mit ruhigeren Krankheitsphasen ab.
- Die rheumatoide Arthritis ist eine Systemerkrankung. Sie kann auch Augen, Lunge, Haut und das Herz-Kreislauf-System betreffen.
- Eine RA ist nicht heilbar, in vielen Fällen aber gut behandelbar. Eine frühe Diagnose und der rasche Therapiebeginn verbessern die Prognose deutlich.
Wie häufig ist rheumatoide Arthritis?
Die rheumatoide Arthritis gehört zu den häufigsten entzündlich-rheumatischen Erkrankungen weltweit. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) lebten im Jahr 2019 rund 18 Millionen Menschen mit einer rheumatoiden Arthritis.
In der Schweiz sind nach Angaben der Rheumaliga Schweiz rund 85.000 Menschen betroffen.
Wer ist betroffen?
- Erkrankungsalter: Eine RA kann grundsätzlich in jedem Lebensalter auftreten. Am häufigsten entwickelt sie sich im mittleren Lebensalter, in westlichen Ländern meist zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr.
- Geschlecht: Frauen sind insgesamt etwa zwei- bis dreimal häufiger betroffen als Männer. Mit zunehmendem Alter gleicht sich das Verhältnis zunehmend an – bei Erkrankungsbeginn im höheren Alter ist der Frauenüberhang deutlich geringer.
- Höheres Alter: Auch ältere Personen können neu erkranken oder mit den Folgen einer langjährigen RA pflegebedürftig werden.
Ist rheumatoide Arthritis heilbar?
Die rheumatoide Arthritis ist derzeit nicht heilbar. Moderne Therapien können Entzündungen aber deutlich reduzieren, Schmerzen lindern und Gelenkschäden verzögern oder verhindern. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser sind die langfristigen Ergebnisse.
Was passiert bei rheumatoider Arthritis im Körper?
Bei rheumatoider Arthritis greift das Immunsystem fälschlicherweise die Gelenkinnenhaut an. Dadurch entsteht eine chronische Entzündung im Gelenk. Die entzündete Innenhaut schwillt an, verdickt sich und bildet vermehrt Gewebe, das im Verlauf Knorpel und Knochen schädigen kann.
Die Folgen der chronischen Entzündung sind:
- Schmerzen und Druckempfindlichkeit der betroffenen Gelenke
- Schwellungen und Überwärmung
- eingeschränkte Beweglichkeit, vor allem nach Ruhephasen
- fortschreitende Gelenkschäden bei unbehandeltem Verlauf
- Fehlstellungen einzelner Gelenke im späteren Verlauf
Da es sich bei RA nicht um eine blosse Gelenkerkrankung, sondern um eine systemische Autoimmunerkrankung handelt, kann sie auch Organe wie Augen, Lunge, Haut, Blutgefässe und das Herz betreffen.
Symptome: Wie macht sich rheumatoide Arthritis bemerkbar?
Eine rheumatoide Arthritis beginnt häufig schleichend mit eher unspezifischen Beschwerden, die sich über Wochen bis Monate entwickeln. Im weiteren Verlauf treten die typischen Gelenkbeschwerden hinzu.
Allgemeinsymptome zu Beginn
- Müdigkeit und Erschöpfung auch ohne körperliche Belastung
- Allgemeines Krankheitsgefühl, ähnlich einem grippalen Infekt, jedoch über längere Zeit
- Leichtes Fieber, meist unterschwellig, oft begleitet von Nachtschweiss
- Ungewollter Gewichtsverlust und verminderter Appetit
- Verminderte Leistungsfähigkeit im Alltag
Typische Gelenkbeschwerden
- Schmerzen in mehreren Gelenken, häufig auch in Ruhe
- Gelenkschwellungen mit weicher, druckempfindlicher Konsistenz
- Überwärmung der betroffenen Gelenke (Rötung dagegen eher selten)
- Kraftverlust in Händen oder Füssen, etwa beim Greifen oder Gehen
- Eingeschränkte Beweglichkeit der entzündeten Gelenke
- Morgensteifigkeit: ein klassisches Leitsymptom. Sie hält mindestens 30 Minuten, häufig auch 60 Minuten oder länger an. Während dieser Zeit ist beispielsweise oft kein vollständiger Faustschluss möglich.
- Rheumaknoten: feste, schmerzlose Knötchen unter der Haut, vor allem an den Streckseiten von Ellenbogen und Fingern. Sie treten (je nach Quelle) bei bis zu 20 % der Betroffenen auf.
Welche Gelenke sind häufig betroffen?
Anfangs sind meist die kleinen Gelenke betroffen:
- Fingergrundgelenke
- Fingermittelgelenke
- Handgelenke
- Zehengelenke
Im weiteren Verlauf können auch grössere Gelenke einbezogen werden, zum Beispiel Knie, Schultern, Ellenbogen oder Sprunggelenke.
Charakteristisch sind dabei zwei Muster:
- Symmetrischer Befall: Beschwerden treten typischerweise auf beiden Körperseiten gleichzeitig auf, etwa an denselben Fingergelenken der rechten und linken Hand. Vor allem zu Beginn der Erkrankung oder bei mildem Verlauf können einzelne Gelenke aber auch nur einseitig betroffen sein.
- Aussparung der Fingerendgelenke: Die Endgelenke der Finger (distale Interphalangealgelenke, DIP) bleiben bei einer RA typischerweise frei – ein wichtiger Unterschied zur Fingerarthrose.
Was ist ein Schub?
Ein Schub bedeutet, dass die Krankheitsaktivität zunimmt:
- Schmerzen, Schwellungen und Steifigkeit verstärken sich.
- Bestehende Beschwerden werden deutlich schlechter, oder neue Gelenke sind betroffen.
- Die Beschwerden halten meist mehrere Tage bis Wochen an.
In ruhigeren Phasen klingen die Beschwerden teilweise oder ganz ab. Bei einem Schub sollten Belastung angepasst und ärztlicher Rat eingeholt werden, damit die Therapie gegebenenfalls angepasst werden kann.
Was sind die Ursachen von rheumatoider Arthritis?
Die genaue Ursache der rheumatoiden Arthritis ist bis heute nicht abschliessend geklärt. Fachleute gehen davon aus, dass mehrere Faktoren zusammenwirken:
- Genetische Veranlagung: Bei Verwandten ersten Grades von Betroffenen tritt die RA etwa dreimal häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung.
- Fehlsteuerung des Immunsystems: Das Immunsystem verliert die Fähigkeit, körpereigene und körperfremde Strukturen zuverlässig zu unterscheiden.
- Hormonelle Einflüsse: Diese erklären unter anderem den höheren Frauenanteil unter den Betroffenen.
- Umweltfaktoren: wie Tabakrauch, eingeatmete Stäube oder Feinstaub.
Die rheumatoide Arthritis ist keine klassische Erbkrankheit. Eine familiäre Vorbelastung erhöht das Risiko, löst die Erkrankung aber nicht zwangsläufig aus.
Risikofaktoren
Folgende Faktoren erhöhen das Risiko, an einer rheumatoiden Arthritis zu erkranken:
- Rauchen: wichtigster beeinflussbarer Risikofaktor, verschlechtert auch den Krankheitsverlauf.
- Weibliches Geschlecht und hormonelle Einflüsse
- Höheres Lebensalter
- Übergewicht
- Familiäre Vorbelastung
- Zahnfleischentzündungen (Parodontitis) werden nach aktuellem Stand mit einem erhöhten RA-Risiko in Verbindung gebracht. Gute Mundhygiene kann das Risiko mindern
- Berufliche oder umweltbedingte Schadstoffexposition: zum Beispiel Quarz- oder Mineralstäube
Mögliche Folgen und Begleiterkrankungen
Ohne ausreichende Behandlung kann die rheumatoide Arthritis zu Fehlstellungen einzelner Gelenke, Verlust der Greiffunktion, Schwierigkeiten beim Gehen und zunehmender Pflegebedürftigkeit führen.
Weil die Entzündung nicht auf die Gelenke beschränkt bleibt, treten häufig auch Begleiterkrankungen auf:
- Osteoporose: auch durch länger eingenommene Cortisonpräparate begünstigt.
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen: die chronische Entzündung erhöht das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall.
- Lungen- und Augenbeteiligung: Lungenerkrankung sowie trockene Augen (sekundäres Sjögren-Syndrom).
- Depression: chronische Schmerzen und Bewegungseinschränkungen können die Psyche stark belasten.
Wie wird rheumatoide Arthritis diagnostiziert?
Die Diagnose stellen meist Rheumatolog:innen. Sie stützt sich auf das Beschwerdebild, die körperliche Untersuchung, Laborwerte und bildgebende Verfahren – entscheidend ist das Zusammenspiel der Befunde.
Im Gespräch werden Beschwerden, Dauer und Verlauf erfasst, anschliessend werden die Gelenke gezielt auf Schwellungen, Druckempfindlichkeit und Bewegungseinschränkungen untersucht.
Folgende Untersuchungen sind besonders wichtig:
- Blutwerte: Entzündungsmarker (CRP, BSG) sowie Rheumafaktor und ACPA (meist gemessen als Anti-CCP-Antikörper). Ein negativer Antikörperbefund schliesst eine RA aber nicht aus.
- Ultraschall: zeigt entzündliche Veränderungen der Gelenkinnenhaut und Gelenkergüsse; gut für die Frühdiagnostik.
- Röntgen: stellt strukturelle Schäden an Knorpel und Knochen dar.
- MRT: ergänzend bei spezifischen Fragestellungen.
Therapie: Wie wird rheumatoide Arthritis behandelt?
Ziel der Behandlung ist es, die Entzündung zu kontrollieren, Schmerzen zu lindern und Gelenkschäden zu verhindern. Eine möglichst frühzeitige Therapie ist dabei entscheidend. Welche Massnahmen im Einzelfall sinnvoll sind, wird individuell mit den behandelnden Rheumatolog:innen festgelegt.
Medikamentöse Therapie
Als medikamentöse Therapie werden synthetische Arzneimittel als Basis eingesetzt, die die Immunreaktion dämpfen. Zusätzlich wird die Therapie mit Cortison als Entzündungshemmer und NSAR als nicht steroidales Antirheumatika zur Entzündungshemmung und schmerzlindernd.
Biologika sind eine neue Generation von Basismedikamenten. Diese bestehen aus komplexen Eiweisssubstanzen, die gezielt in die immunologische Entzündungsprozesse eingreifen.
Nicht-medikamentöse Massnahmen
Ergänzend zur medikamentösen Therapie spielen weitere Massnahmen eine wichtige Rolle:
- Physiotherapie: zum Erhalt von Beweglichkeit und Muskelkraft
- Ergotherapie: für die Bewältigung des Alltags und den Einsatz von Hilfsmitteln
- Gelenkschonende Bewegung: regelmässige, an die aktuelle Krankheitsaktivität angepasste Aktivität
- Gewichtsnormalisierung: entlastet die Gelenke
- Rauchstopp: beeinflusst Krankheitsverlauf und begünstigen den Therapieerfolg
- Ausgewogene Ernährung: mit ausreichend Kalzium und Vitamin D, besonders unter Cortisontherapie
Pflege von Menschen mit rheumatoider Arthritis
Eine rheumatoide Arthritis kann den Alltag der Betroffenen stark beeinflussen. Schmerzen, steife Gelenke und Kraftverlust schränken die Selbstständigkeit oft deutlich ein – vor allem bei feinmotorischen Tätigkeiten und im Haushalt. Damit spielt die RA auch in der Betreuung von Senior:innen eine wichtige Rolle.
Unterstützung durch Pflegekräfte
Häufig brauchen Betroffene Unterstützung bei Körperpflege, Ankleiden, Haushalt, Einkäufen und der Medikamenteneinnahme. Wichtige pflegerische Massnahmen sind:
- Selbstständigkeit fördern: vorhandene Fähigkeiten unterstützen, statt vorschnell zu ersetzen.
- Hilfe bei schmerzhaften Bewegungen: vor allem morgens während der Steifigkeit der Gelenke.
- Schwellungen und Schmerzen beobachten: Veränderungen frühzeitig erkennen und ärztlich abklären lassen.
- Sturzprophylaxe: sichere Wohnumgebung, geeignetes Schuhwerk, bei Bedarf Gehhilfen.
- Bewegung und psychische Belastung im Blick behalten: zur regelmässigen Bewegung motivieren, Rückzug oder Niedergeschlagenheit ernst nehmen.
Hilfsmittel im Alltag
Geeignete Hilfsmittel können die Selbstständigkeit deutlich verbessern. Dazu gehören zum Beispiel:
- Greifhilfen für entfernte oder schwere Gegenstände
- Öffnungshilfen für Flaschen und Verschlüsse
- Spezialbesteck mit verbreitertem Griff
- Anziehhilfen für Strümpfe, Knöpfe und Reissverschlüsse
- Duschhocker und Haltegriffe im Bad
- Erhöhungen für Bett, Stuhl oder Toilette
- Orthopädische Hilfsmittel
Welche Hilfsmittel im Einzelfall sinnvoll sind, hängt von den Beschwerden und der Wohnsituation ab und wird idealerweise mit Ergotherapeut:innen besprochen.
Häufige Fragen zur rheumatoiden Arthritis
Die rheumatoide Arthritis ist eine entzündliche Autoimmunerkrankung, die Arthrose ein fortschreitender Abbau von Gelenkknorpel. Eine RA betrifft typischerweise mehrere Gelenke gleichzeitig und symmetrisch, mit Morgensteifigkeit und Schwellungen. Eine Arthrose verläuft meist langsamer, betrifft oft einzelne Gelenke und äussert sich vor allem in Belastungs- und Anlaufschmerzen.
Ja. Chronische Polyarthritis ist ein älterer Begriff für die rheumatoide Arthritis. Polyarthritis bedeutet, dass mehrere Gelenke gleichzeitig entzündet sind.
Nein. Rheuma ist ein Sammelbegriff für rund 200 verschiedene Erkrankungen des Bewegungsapparats – darunter Arthrose (Verschleiss), Gicht (Stoffwechsel) und entzündlich-rheumatische Erkrankungen wie die rheumatoide Arthritis. Die rheumatoide Arthritis ist also eine bestimmte Form von Rheuma, nicht das ganze Krankheitsbild.
Quellen:
- World Health Organization (WHO): Rheumatoid arthritis. Online abgerufen unter https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/rheumatoid-arthritis am 28.04.2026.
- Rheumaliga Schweiz: Rheumatoide Arthritis. Online abgerufen unter https://www.rheumaliga.ch/rheuma-von-a-z/arthritis am 28.04.2026.
- Smolen JS, Edwards CJ et al. (EULAR): EULAR recommendations for the management of rheumatoid arthritis with synthetic and biologic disease-modifying antirheumatic drugs: 2025 update. Annals of the Rheumatic Diseases (2026). DOI: 10.1016/j.ard.2026.01.023. Online abgerufen unter https://ard.eular.org/article/S0003-4967(26)00075-0/fulltext am 02.05.2026.
- Universitätsspital Zürich (USZ): Rheumatoide Arthritis. Online abgerufen unter https://www.usz.ch/krankheit/rheumatoide-arthritis/ am 02.05.2026.
- MSD Gesundheit Schweiz: Rheumatoide Arthritis – Tipps für den Alltag. Online abgerufen unter https://www.msd-gesundheit.ch/de/immunologie/rheumatoide-arthritis/tipps-fuer-den-alltag am 02.05.2026.