10 Jahre Betreuungs Spezialist

In der Schweiz leben rund 15.000 Menschen mit Parkinson.

Parkinson

Parkinson ist eine Erkrankung des Zentralnervensystems, bei der Nervenzellen im Gehirn absterben. In der Schweiz sind laut Universitätsspital Zürich über 15.000 Menschen betroffen – Tendenz steigend.

Häufig treten motorische Symptome auf. Dazu gehören zum Beispiel Bewegungs- und Gleichgewichtsstörungen, Zittern und Muskelsteifheit.

Es gibt aber auch nicht-motorische Symptome, die sich auf verschiedene Lebensbereiche auswirken können. Dazu gehören beispielsweise Schmerzen, Schlaf-, Seh- und Riechstörungen, Probleme mit Blase und Darm, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen oder Stimmungsschwankungen.

Die Parkinson-Krankheit wird auch Morbus Parkinson oder Idiopathisches Parkinson-Syndrom (IPS) genannt. Es handelt sich um eine langsam fortschreitende Erkrankung, die aktuell nicht heilbar ist. Es gibt aber verschiedene Möglichkeiten, die Symptome zu behandeln.

Inhaltsverzeichnis

Die Parkinson-Krankheit im Überblick

Parkinson ist (nach Alzheimer) die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung weltweit. Betroffen sind vor allem Menschen über 60 Jahre, wobei auch schon jüngere Personen erkranken können. Der Name ist auf den englischen Arzt James Parkinson zurückzuführen, der die Krankheit bereits im Jahr 1817 beschrieben hat.

Bei Betroffenen sterben Nervenzellen in einer bestimmten Gehirnregion, der sogenannten Substantia nigra, ab. Diese Zellen sind für die Produktion von Dopamin verantwortlich. Durch die Krankheit kommt es also zu einem Mangel an diesem Botenstoff, der eine zentrale Rolle in der Steuerung von Bewegungsabläufen spielt.

 

Verschiedene Parkinson-Syndrome

Es gibt verschiedene Parkinson-Syndrome. Mit 75% der Fälle am häufigsten ist das idiopathische Parkinson-Syndrom (IPS). Die genaue Ursache für dessen Entstehung ist noch nicht geklärt.

Es gibt aber auch genetisch bedingte Formen, sekundäre Parkinson-Syndrome mit bestimmter äusserer Ursache sowie atypische Parkinson-Syndrome im Rahmen anderer Erkrankungen. Im Gegensatz zum IPS treten sie aber selten auf.

parkinson ist eine der häufigsten neurodegenerativen erkrankungen.

Symptome von Parkinson

Motorische Symptome

Als Folge des Dopaminmangels wird die Bewegungskoordination zunehmend beeinträchtigt. Typische motorische Symptome der Parkinson-Krankheit im Hauptstadium sind:

  • Verlangsamte Bewegungen (Bradykinese, Hypokinese): Das Symptom der so genannten Bewegungsarmut trifft bei allen Parkinson-Patienten auf. Die Verlangsamung betrifft verschiedene Bewegungsabläufe, zum Beispiel das Gehen, das Schlucken, die Mimik oder die Feinmotorik. Die Bewegungsarmut kann bis zur Bewegungslosigkeit (Akinese) reichen.
  • Muskelsteifheit (Rigor): Die unwillkürliche Anspannung der Muskeln führt häufig auch zu Schmerzen und/oder einer gebeugten Körperhaltung.
  • Zittern in Ruhe (Ruhetremor): Beim ruhigen Aufliegen der Extremitäten (Arme und Beine) kommt es oft zu einem rhythmischen Zittern. In Bewegung wird das Zittern typischerweise weniger.
  • Gestörte Haltungsstabilität (posturale Instabilität): Gleichgewichtsstörungen beim Stehen und Gehen führen insbesondere im fortgeschrittenen Krankheitsstadium zu erhöhter Sturzgefahr.

Diese Parkinson-Symptome treten in den meisten Fällen zuerst einseitig, mit weiterem Verlauf der Krankheit auch beidseitig auf.

Nicht jede:r Erkrankte ist von den genannten Symptomen gleichermassen betroffen. Auch das Zittern, das oft als typisch für Parkinson angesehen wird, tritt nicht bei allen Parkinson-Patient:innen auf. Lediglich die Bewegungsarmut ist Voraussetzung für die Diagnose.

 

Nicht-motorische Symptome

Die nicht-motorischen Symptome sind für Aussenstehende weniger auffällig. Jedoch können sie die Lebensqualität der Betroffenen sehr stark beeinträchtigten. Häufig kommt es im Rahmen einer Parkinson-Erkrankung zu:

  • Psychischen Auswirkungen wie Stimmungsschwankungen, Depressionen, Antriebslosigkeit oder Persönlichkeitsveränderungen
  • Schlafstörungen
  • Störungen des Geruchssinns
  • Problemen mit der Blase oder Verdauung
  • Schmerzen verschiedenster Art

Parkinson-Patient:innen entwickeln zudem häufiger eine Demenz als Nicht-Betroffene. Man spricht dabei von der sogenannten Parkinson-Demenz. 

 

Frühe Symptome

Es gibt auch einige Anzeichen, die schon viele Jahre vor dem Ausbruch der Parkinson-Krankheit auftreten können. Dazu zählen zum Beispiel Stimmungsschwankungen, Störungen des Geruchssinns, Schlafstörungen oder (einseitige) Schulter- bzw. Rückenbeschwerden.

Die REM-Schlaf-Verhaltensstörung gilt als wichtigstes Warnzeichen: Dabei werden Trauminhalte in Bewegungen ausgelebt. Das bedeutet, dass Betroffene zum Beispiel tatsächlich um sich schlagen oder treten, wenn sie von Kämpfen träumen. Häufig werden die Bewegungen auch von Lauten (z.B. Schreien) begleitet. Ein Grossteil der Menschen, bei denen eine solche REM-Schlaf-Verhaltensstörung auftritt, erkrankt später an Parkinson oder Demenz.

parkinson 3

Diagnose

Die Diagnose der Parkinsonkrankheit erfolgt in erster Linie durch die genaue Beobachtung der Symptome. Da diese aber von Patient:in zu Patient:in variieren und insbesondere zu Beginn der Erkrankung noch nicht stark ausgeprägt sind, werden sie oft falsch zugeordnet.

Bildgebende Verfahren wie das MRT oder nuklearmedizinische Untersuchungen (z. B. DaTSCAN) können helfen, andere Erkrankungen auszuschliessen oder den Befund zu untermauern.

Bei Verdacht auf ein genetisch bedingtes Parkinson-Syndrom kann eine molekulargenetische Untersuchung Klarheit schaffen.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genauen Ursachen von Parkinson sind bis heute nicht vollständig geklärt.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass ein Zusammenspiel aus verschiedenen Faktoren bei der Entstehung eine Rolle spielt:

  • Genetische Veranlagung
  • Umwelteinflüsse(z. B. Kontakt mit Pestiziden oder anderen Giftstoffen)
  • Altersbedingte neurodegenerative Prozesse: Mit steigendem Alter sinkt die Widerstandsfähigkeit der Nerven.

Das Durchschnittsalter bei der Parkinson-Diagnose beträgt ungefähr 60 Jahre. Die Erkrankung kann aber auch schon bei jüngeren Personen auftreten: Etwa 10 Prozent der Fälle betreffen Menschen unter 40 Jahren.

parkinson 2

Therapie und Behandlung

Die Parkinson-Krankheit ist derzeit nicht heilbar. Allerdings können die Symptome gelindert und das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamt werden. Ziel der Therapie ist die Erhaltung bzw. Verbesserung der Lebensqualität der Betroffenen.

Im Zentrum der Parkinson-Therapie steht die medikamentöse Behandlung. Medikamente mit folgenden Wirkstoffen kommen dabei häufig zum Einsatz:

  • Levodopa (L-Dopa): Dieser Dopamin-Vorläufer gleicht Dopamin-Mangel im Gehirn aus. Es ist das am häufigsten verschriebene Parkinson-Medikament.
  • Ergänzend kommen zum Beispiel Dopamin-Agonisten, MAO-B-Hemmer oder COMT-Hemmer zum Einsatz.
  • In fortgeschrittenen Krankheitsstadien können die tiefe Hirnstimulation oder Medikamenten-Pumpen in Frage kommen.

Bei der Parkinson-Therapie hat sich ein interdisziplinärer Ansatz bewährt. Neben der medikamentösen Therapie können auch Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und psychosoziale Unterstützung hilfreich sein.

Verlauf und Prognose

Parkinson ist eine chronische Erkrankung, die über Jahre hinweg langsam fortschreitet.

Im frühen Stadium können viele Betroffene mit Hilfe der richtigen Therapie noch weitgehend selbstständig leben. Im weiteren Verlauf kann jedoch eine zunehmende Abhängigkeit von Unterstützung entstehen. Typischerweise verschlechtern sich Beweglichkeit und Koordination im Laufe der Zeit.

Für Pflegekräfte ist es daher wichtig, sowohl medizinisches Fachwissen als auch soziale Kompetenzen mitzubringen, um Betroffene und deren Angehörige bestmöglich zu unterstützen.

parkinson 4

Pflege von Parkinson-Patient:innen

Morbus Parkinson kann die Betroffenen im Alltag stark einschränken. Die Krankheit wird auch für pflegende Angehörige sowie professionelle Betreuer:innen zur Herausforderung.

Da es sich um eine fortschreitende Erkrankung handelt, nimmt der Pflegebedarf im Laufe der Zeit meist zu. Wenn die Unterstützung durch Angehörige nicht mehr genügt, kann das Hinzuziehen professioneller Betreuuer:innen sinnvoll sein.

Bei der Pflege von Parkinson-Patient:innen spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Einige wichtige Punkte im Überblick:

Unterstützung bei der Mobilität und Sturzprophylaxe

Bewegungsstörungen wie die Verlangsamung bzw. Verarmung von Bewegungen, Steifheit oder Zittern («Tremor») sind für Parkinson charakteristisch. Die Unterstützung der Mobilität ist daher ein zentraler Bestandteil der Pflege. Sie trägt wesentlich zur Verbesserung bzw. Erhaltung von Selbstständigkeit und Lebensqualität der Patient:innen bei.

Durch gezielte Bewegungsförderung bzw. physiotherapeutische Massnahmen können körperliche Fähigkeiten länger erhalten bleiben. Auch der Einsatz von Gehhilfen und anderen Hilfsmitteln kann Parkinson-Patient:innen den Alltag deutlich erleichtern.

Besonders wichtig im Alltag ist die Sturzprophylaxe, da Parkinson-Patient:innen ein erhöhtes Risiko für Gleichgewichtsprobleme und so genanntes «Freezing» (plötzliche Bewegungsblockaden) haben. Bei der Pflege zuhause muss auf die Anpassung des Wohnraums geachtet werden: Durch die Entfernung etwaiger Hindernisse und gute Beleuchtung kann die eigenständige Fortbewegung erleichtert werden.

Hilfe bei der Medikamenteneinnahme und Dosierung

Die gewissenhaft geplante Medikamentengabe spielt eine entscheidende Rolle bei der Pflege von Parkinson-Patient:innen.

Medikamente – insbesondere Levodopa – beeinflussen direkt die Beweglichkeit, die Koordination und das allgemeine Wohlbefinden. Sie werden im Körper aber schnell abgebaut. Pflegende Angehörige und professionelle Betreuer:innen müssen deshalb darauf achten, dass die Medikamente exakt nach ärztlicher Anordnung und zu den richtigen Zeiten eingenommen werden.

Bei Veränderungen in Bezug auf das Bewegungsverhalten, die Stimmung oder den Schlaf der Patient:innen kann eine Anpassung der Medikation notwendig sein. Die genaue Beobachtung der Betroffenen durch ihre Betreuer:innen trägt also massgeblich dazu bei, dauerhaft eine optimale medikamentöse Versorgung sicherzustellen.

Umgang mit Stimmungsschwankungen, Depression und Parkinson-Demenz

Viele Parkinson-Patient:innen erleben im Krankheitsverlauf nicht nur motorische Einschränkungen, sondern auch psychische und kognitive Veränderungen. Rund 40 Prozent der Betroffenen entwickeln eine Parkinson-Demenz.

Pflegekräfte müssen daher besonders aufmerksam und einfühlsam agieren. Depressive Verstimmungen, Antriebslosigkeit oder Reizbarkeit können die Lebensqualität stark beeinträchtigen und die Bereitschaft zur Mitarbeit bei Therapien verringern. Ein wertschätzender Umgang mit den Patient:innen trägt wesentlich dazu bei, ihr seelisches Gleichgewicht zu stabilisieren und den Pflegealltag für alle Beteiligten zu erleichtern.

Bei beginnender Demenz sind Geduld, klare Kommunikation und feste Routinen wichtig, um Orientierung zu geben und Überforderung zu vermeiden. Pflegekräfte sollten emotionale Schwankungen ernst nehmen und die Informationen an Ärzt:innen oder Therapeut:innen weitergeben, um gegebenenfalls entsprechende Massnahmen einleiten zu können.

Kompetenz in der Pflege macht den Unterschied

Die Pflege von Parkinson-Patient:innen erfordert Fachwissen, eine gute Beobachtungsgabe sowie viel Empathie und Geduld. Im Rahmen einer Ausbildung zur Pflegehilfe können professionelle Betreuer:innen und Pflegende Angehörige ein tiefes Verständnis für die Krankheit und den Umgang mit Betroffenen entwickeln.

Ein pflegerischer Schwerpunkt liegt auf der Förderung der Selbstständigkeit. In der Seniorenbetreuung zuhause bzw. in der 24-Stunden-Betreuung können gewissenhaft geplante Routinen, gezielte Aktivierung und eine enge Kommunikation mit dem sozialen Umfeld einen grossen Unterschied machen.

Fazit

Parkinson ist eine komplexe Erkrankung, die auf der ganzen Welt weit verbreitet ist. Die Symptome können von Patient:in zu Patient:in unterschiedlich sein.

Wie gut Betroffene mit der Erkrankung leben können, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Die medikamentöse Therapie ist nur ein Bestandteil eines umfassenden, individuellen Behandlungskonzepts.

In der häuslichen Pflege spielen gut ausgebildete Fachkräfte eine zentrale Rolle: Sie begleiten, unterstützen und beraten die Betroffenen im Alltag und helfen ihnen so dabei, bestmöglich mit der Krankheit umzugehen.