COPD (Chronic Obstructive Pulmonary Disease)
Was ist COPD?
- COPD ist eine chronisch fortschreitende Lungenerkrankung, bei der die Atemwege dauerhaft entzündet und verengt sind.
- COPD steht für chronic obstructive pulmonary disease – auf Deutsch: chronisch obstruktive Lungenerkrankung.
- Hauptursache ist das Rauchen.
- Typisch für COPD sind die sogenannten AHA-Symptome: Chronischer Husten, Auswurf und Atemnot.
- COPD ist eine der häufigsten chronischen Lungenerkrankungen weltweit und gehört zu den führenden Todesursachen.
- Die Lungenkrankheit ist nicht heilbar, aber gut behandelbar. Für eine möglichst günstige Prognose sind eine frühe Diagnose, der rasche Beginn einer geeigneten Therapie und ein vollständiger Rauchstopp entscheidend.
Was passiert bei COPD in der Lunge?
COPD betrifft die Bronchien (Teil der unteren Atemwege) und oft auch die Lungenbläschen (Alveolen). Es handelt sich um eine chronische Erkrankung, die durch eine dauerhafte, nicht vollständig reversible Verengung der Atemwege und damit Einschränkung des Luftstroms gekennzeichnet ist.
Im Zentrum steht eine anhaltende Entzündungsreaktion, die durch langjährige Inhalation von Schadstoffen – meist Tabakrauch – ausgelöst wird. Häufig wird COPD deshalb als „Raucherhusten“ verharmlost, insbesondere in frühen Stadien. Dabei handelt es sich um eine ernst zu nehmende Krankheit, die die Lebensqualität der Betroffenen stark verringern kann.
Der Oberbegriff COPD kann folgende Komponenten umfassen:
Chronische Bronchitis
Ein häufiger Bestandteil der COPD ist die chronische Bronchitis. Sie ist definiert als Husten mit Auswurf über mindestens drei Monate pro Jahr in zwei aufeinanderfolgenden Jahren – nach Ausschluss anderer Ursachen.
Die Bronchien haben die Aufgabe, Luft in die Lunge zu befördern. Durch ihre chronische Entzündung kommt es zu strukturellen Veränderungen:
- Die Schleimhaut schwillt an.
- Die Bronchialwände verdicken sich.
- Es wird vermehrt zäher Schleim gebildet.
Wichtig: Eine chronische Bronchitis allein ist noch keine COPD. Erst die zusätzliche, in der Spirometrie nachweisbare Atemflusslimitierung definiert die Erkrankung.
Veränderungen der Bronchiolen
Die kleinsten Verzweigungen der Bronchien werden Bronchiolen genannt. Sie leiten die Luft bis zu den Lungenbläschen weiter. Sie haben keinen knorpeligen Stützapparat mehr und sind daher besonders anfällig für strukturelle Veränderungen.
Bei COPD spielen die Bronchiolen eine entscheidende Rolle. Durch die chronische Entzündungsreaktion kommt es zu:
- Einwanderung von Entzündungszellen in die Bronchiolenwand
- Verdickung der Wandstrukturen
- bindegewebiger Umbau (Fibrose)
- Verengung des Lumens
- teilweisem Verlust elastischer Fasern
Dadurch wird der Durchmesser der Bronchiolen dauerhaft verringert. Besonders beim Ausatmen steigt der Druck im Brustkorb, sodass die instabil gewordenen unteren Atemwege kollabieren. Die Luft kann nicht vollständig entweichen – man spricht von einer Atemflusslimitierung.
Diese Veränderungen der unteren Atemwege gelten als Hauptursache der dauerhaften Obstruktion bei COPD. Sie können auch bestehen, wenn keine ausgeprägte Schleimproduktion vorliegt.
Eine Folge ist eine zunehmende Luftüberblähung („air trapping“): In der Lunge verbleibt Restluft. Dadurch wird die normale Atmung ineffizienter.
Lungenemphysem
Bei vielen Betroffenen kommt es zusätzlich zu einem Lungenemphysem (Zerstörung von Lungengewebe). Dabei sind die feinen Trennwände zwischen benachbarten Lungenbläschen (Alveolen) dauerhaft geschädigt und teilweise zerstört. Das hat schwerwiegende Folgen:
- Mehrere Lungenbläschen verschmelzen zu grösseren Blasen.
- Die Oberfläche für den Gasaustausch ist verringert.
- Es kommt zum Verlust elastischer Fasern im Lungengewebe.
- Es kommt zu einer Überblähung der Lunge.
Die Lunge verliert dadurch an elastischer Rückstellkraft. Normalerweise zieht sich das Lungengewebe beim Ausatmen zusammen und hält die kleinen Atemwege offen. Beim Emphysem fehlt diese stabilisierende Wirkung. Die Bronchiolen kollabieren leichter, wodurch sich die bereits bestehende Atemflusslimitierung weiter verstärkt.
Gleichzeitig steht weniger funktionelle Oberfläche für den Austausch von Sauerstoff und Kohlendioxid zur Verfügung. Dies kann im fortgeschrittenen Stadium zu einer verminderten Sauerstoffaufnahme führen.
Wie häufig ist COPD?
Weltweit
Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO ist COPD die vierthäufigste Todesursache weltweit. Im Jahr 2021 verursachte die obstruktive Lungenkrankheit 3,5 Millionen Todesfälle, das sind rund 5 % aller Todesfälle.
In einem Report zu chronischen Atemwegserkrankungen (2025) geht die WHO davon aus, dass die Zahl der weltweiten COPD-Fälle von 2020 bis 2050 um 23 % steigen wird. Die stärkste Zunahme wird bei Frauen sowie in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen erwartet.
Schweiz
COPD ist auch in der Schweiz weit verbreitet. Schätzungen zufolge leben hierzulande rund 400.000 Menschen mit einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung.
Da frühe Symptome häufig unterschätzt werden, ist von einer relevanten Dunkelziffer auszugehen.
Wer ist betroffen?
COPD entsteht durch das Einatmen von Schadstoffen über längere Zeit. Das Rauchen von Zigaretten oder anderen Tabakprodukten gilt dabei als grösster Risikofaktor: Rund 80 bis 90 % der Menschen, die an COPD erkrankt sind, waren oder sind Raucher:innen. Auch Passivrauchen erhöht das Risiko.
Weitere Ursachen und Risikofaktoren
Neben dem Rauchen können bei der Entstehung von COPD folgende Faktoren eine Rolle spielen:
- Feinstaub und Luftverschmutzung
- Schadstoffe am Arbeitsplatz (z. B. in Industrie, Landwirtschaft)
- Häufige Atemwegsinfektionen in der Kindheit
- Genetische Faktoren (z. B. Alpha-1-Antitrypsinmangel)
- Unzureichend behandeltes Asthma
Welche Symptome treten bei COPD auf?
Die Beschwerden entwickeln sich meist schleichend über Jahre. Viele Betroffene gewöhnen sich an erste Anzeichen und suchen erst spät ärztliche Hilfe. Dabei wäre eine frühe Diagnose für eine verbesserte Prognose entscheidend: Der rechtzeitige Rauchstopp und eine leitliniengerechte Therapie können das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen und die Lebensqualität langfristig verbessern.
AHA-Symptome
Typisch für COPD sind die sogenannten AHA-Symptome:
- Auswurf: Zäher Schleim, der regelmässig abgehustet werden muss. Er entsteht durch die chronisch entzündete Bronchialschleimhaut.
- Chronischer Husten: Häufig zunächst morgens, später über den ganzen Tag verteilt. Der Husten wird oft als „Raucherhusten“ verharmlost.
- Atemnot (Dyspnoe): Die Atemnot entsteht durch verengte Atemwege, erschwerte Ausatmung und eine zunehmende Überblähung der Lunge. Beim zusätzlich vorhandenen Emphysem ist auch der Gasaustausch eingeschränkt. Die Atemmuskulatur muss mehr leisten, um die gleiche Luftmenge zu bewegen. Anfangs tritt Atemnot nur bei Belastung auf, im weiteren Verlauf auch im Alltag oder in Ruhe.
Weitere mögliche Symptome
Je nach Krankheitsstadium können zusätzlich auftreten:
- Pfeifende Atemgeräusche (Giemen)
- Engegefühl in der Brust
- Verminderte körperliche Leistungsfähigkeit
- Häufige Atemwegsinfekte
- Gewichtsverlust im fortgeschrittenen Stadium
- Erschöpfung
In schweren Fällen kann es zu einer chronischen Sauerstoffunterversorgung kommen. Dann zeigen sich Symptome wie:
- Zyanose (bläuliche Verfärbung von Lippen oder Fingern)
- Sichtbar angestrengte Atmung
- Einsatz der Atemhilfsmuskulatur
Exazerbationen (plötzliche Verschlechterungen)
Charakteristisch für COPD sind sogenannte Exazerbationen. Dabei verschlechtern sich Husten, Auswurf und Atemnot innerhalb weniger Tage deutlich. Auslöser sind häufig:
- Virusinfektionen
- Bakterielle Infekte
- Luftverschmutzung
Exazerbationen beschleunigen das Fortschreiten der Erkrankung und sind ein häufiger Grund für Hospitalisationen.
Wie wird COPD diagnostiziert?
Die Diagnose COPD wird nicht allein anhand der Symptome gestellt, sondern durch eine Kombination aus Anamnese, körperlicher Untersuchung und vor allem einer Lungenfunktionsprüfung (Spirometrie).
Anamnese
Zu Beginn erhebt die Ärztin oder der Arzt eine ausführliche Krankengeschichte. Wichtige Fragen betreffen:
- Bestehende Beschwerden (Husten, Auswurf, Atemnot)
- Dauer und Verlauf der Symptome
- Raucherstatus (aktuell oder früher)
- Berufliche Schadstoffexposition
- Häufige Atemwegsinfekte oder Exazerbationen
- Vorerkrankungen (z. B. Asthma)
Da sich COPD meist schleichend entwickelt, berichten viele Betroffene über eine langsam zunehmende Belastungsintoleranz.
Körperliche Untersuchung
In frühen Stadien kann die körperliche Untersuchung unauffällig sein. Mit fortschreitender Erkrankung können sich zeigen:
- Verlängertes Ausatmen
- Pfeifende Atemgeräusche (Giemen)
- Überblähung des Brustkorbs
- Einsatz der Atemhilfsmuskulatur
Entscheidend für die COPD-Diagnose: Spirometrie
Die wichtigste Untersuchung zur Bestätigung einer COPD ist die Spirometrie (Lungenfunktionsprüfung).
Gemessen werden unter anderem:
- FEV₁ (Einsekundenkapazität)
- FVC (forcierte Vitalkapazität)
Weitere Untersuchungen
Je nach Situation können ergänzend durchgeführt werden:
- Bodyplethysmographie (zur Messung von Überblähung)
- Diffusionsmessung (bei Verdacht auf Emphysem)
- Blutgasanalyse (bei schwerer COPD)
- Röntgen oder CT des Thorax
- Bestimmung von Alpha-1-Antitrypsin bei jüngeren Betroffenen
Ziel der Diagnostik ist nicht nur die Bestätigung der Erkrankung, sondern auch die Einschätzung des Schweregrades und die Planung der geeigneten Therapie.
Einteilung in Schweregrade (GOLD-Klassifikation)
Nach der Diagnose wird COPD nach den Kriterien der Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD) eingeteilt. Diese Einteilung hilft, den Schweregrad der Erkrankung zu bestimmen und die Therapie anzupassen.
Die Beurteilung erfolgt in zwei Schritten:
- Grad der Atemwegsobstruktion (Spirometrie)
- Symptomlast und Exazerbationsrisiko
1. Einteilung nach Lungenfunktion (GOLD 1–4)
Grundlage ist der FEV₁-Wert (Einsekundenkapazität) in Prozent des alters- und grössenabhängigen Sollwertes.
GOLD-Stadium | FEV₁ (% vom Sollwert) | Schweregrad |
GOLD 1 | ≥ 80 % | Mild |
GOLD 2 | 50–79 % | Moderat |
GOLD 3 | 30–49 % | Schwer |
GOLD 4 | < 30 % | Sehr schwer |
Wichtig: Die Lungenfunktion allein spiegelt nicht immer die subjektive Belastung wider.
2. Einteilung nach Symptomen und Exazerbationen (A–B–E-Gruppen)
Zusätzlich zur Lungenfunktion wird beurteilt:
- Wie stark sind die Symptome?
- Wie häufig treten Exazerbationen auf?
Dabei wird unter anderem der CAT-Score (COPD Assessment Test) oder die mMRC-Dyspnoeskala verwendet.
- Gruppe A: Wenig Symptome, geringes Exazerbationsrisiko
- Gruppe B: Ausgeprägte Symptome, geringes Exazerbationsrisiko
- Gruppe E: Erhöhtes Exazerbationsrisiko (≥ 2 Exazerbationen pro Jahr oder ≥ 1 mit Hospitalisation), unabhängig von der Symptomstärke
Diese kombinierte Einteilung ist entscheidend für die Auswahl der medikamentösen Therapie.
Therapie: Wie wird COPD behandelt?
COPD ist nicht heilbar. Ziel der Behandlung ist es, Symptome zu lindern, die körperliche Belastbarkeit zu verbessern und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Die Therapie richtet sich nach Schweregrad, Symptombelastung und Exazerbationsrisiko (GOLD-Einteilung).
Rauchstopp
Der Verzicht auf Tabak bzw. Nikotin ist die wichtigste Massnahme bei COPD.
Ein konsequenter Rauchstopp
- verlangsamt den Verlust der Lungenfunktion
- reduziert Exazerbationen
- verbessert die Prognose
- senkt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Auch in fortgeschrittenen Stadien ist ein Rauchstopp sinnvoll.
Medikamentöse Therapie
Die medikamentöse Behandlung erfolgt meist inhalativ. Ziel ist die Erweiterung der Atemwege und die Reduktion der Entzündung.
Bronchodilatatoren (Atemwegserweiterer) bilden die Basistherapie mit kurz- und langwirksamen Wirkstoffen. Wichtig ist die korrekte Inhalationstechnik, da eine falsche Anwendung die Wirksamkeit deutlich reduziert.
Pulmonale Rehabilitation
Neben Medikamenten spielt körperliche Aktivität eine zentrale Rolle. Eine strukturierte Rehabilitation umfasst:
- Atemphysiotherapie
- Ausdauer- und Krafttraining
- Schulung im Umgang mit der Erkrankung
- Training von Atemtechniken (z. B. Lippenbremse)
Impfungen
Infektionen sind häufige Auslöser von Exazerbationen. Empfohlen werden:
- Jährliche Grippeimpfung
- Pneumokokken-Impfung
- COVID-19-Impfung
Sauerstofftherapie
Bei fortgeschrittener COPD mit chronischer Sauerstoffunterversorgung kann eine Langzeit-Sauerstofftherapie notwendig werden. Sie wird eingesetzt, wenn ein chronischer Sauerstoffmangel in der Blutgasanalyse nachgewiesen ist.
COPD in der Pflege
COPD betrifft überwiegend ältere Menschen und spielt daher auch in der Senior:innenbetreuung eine wichtige Rolle.
Beobachtung und Früherkennung von Exazerbationen
Um Exazerbationen früh zu erkennen, sollten Pflegepersonen bei der Betreuung von Menschen mit COPD insbesondere auf folgende Warnzeichen achten:
- Zunahme der Atemnot
- Veränderung von Farbe oder Menge des Auswurfs
- Fieber
- Zunehmende Erschöpfung
- Verwirrtheit bei älteren Betroffenen
Unterstützung im Alltag
Menschen mit COPD sind oft in ihrer Belastbarkeit eingeschränkt. In der Seniorenbetreuung sind folgende Aspekte wichtig:
- Strukturierte Tagesplanung mit Ruhephasen
- Unterstützung bei körperlich anstrengenden Tätigkeiten
- Atemerleichternde Positionen (z. B. Kutschersitz)
- Anleitung zur Lippenbremse
- Förderung moderater Bewegung
- Medikamentenmanagement
- Beobachtung des Gewichtsverlaufs
- Berücksichtigung psychosozialer Aspekte
Häufige Fragen zu COPD
Nein. COPD ist keine Infektionskrankheit.
Nein. COPD ist eine chronische, nicht heilbare Erkrankung.
Ja, insbesondere bei frühem Rauchstopp und konsequenter Therapie.
Nur bei chronischem Sauerstoffmangel im fortgeschrittenen Stadium.
Charakteristisch sind die sogenannten AHA-Symptome: Auswurf, Husten und Atemnot.
Quellen:
- World Health Organization (WHO): Chronic obstructive pulmonary disease (COPD). Fact Sheet. Online abgerufen am 22.2.2026 unter https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/chronic-obstructive-pulmonary-disease-(copd)
- Lungenliga Schweiz / Schweizerische Gesellschaft für Pneumologie: COPD Pocket Guide. Diagnostik und Managementsupport. 3. Auflage 2025.
- Hirslanden Klinik: COPD – Diagnose und Therapie. Online abgerufen am 22.2.2026 unter https://www.hirslanden.ch/de/klinik-hirslanden/news-und-medien/medienmitteilungen/copd-diagnose-und-therapie.html
- World Health Organization (WHO) Regional Office for Europe (2025): Chronic respiratory diseases and health equity by 2050: a spotlight on chronic obstructive pulmonary disease and asthma in the WHO European Region.
- Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD) (2025): Global Strategy for the Diagnosis, Management, and Prevention of Chronic Obstructive Pulmonary Disease. 2025 Report.