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Ein Blutdruckmessgerät zeigt einen zu hohen Blutdruck an.

Bluthochdruck

Bluthochdruck, auch unter der medizinischen Bezeichnung (arterielle) Hypertonie bekannt, ist ein weit verbreitetes Krankheitsbild. Dabei ist der Druck des Blutes in den Arterien chronisch erhöht.

Europaweit ist laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO mehr als jede:r dritte Erwachsene zwischen 30 und 79 Jahren von Bluthochdruck betroffen. Viele wissen aber gar nichts davon, denn arterielle Hypertonie bleibt oft über längere Zeit unbemerkt.

Das kann schwerwiegende Folgen haben: Laut WHO ist Bluthochdruck der wichtigste Risikofaktor für Tod und Behinderung in der Europäischen Union. Unbehandelt kann Hypertonie zu Organschäden, Schlaganfällen oder Herzinfarkten führen.

Auch in der Pflege spielt die richtige Betreuung von Menschen mit Bluthochdruck eine wichtige Rolle.

Bluthochdruck in der Schweiz

Wie viele Menschen in der Schweiz von Bluthochdruck betroffen sind, zeigt die Schweizerische Gesundheitsbefragung 2022 des Bundesamts für Statistik: 20% der in Privathaushalten lebenden Personen ab 15 Jahren gaben an, einen erhöhten Blutdruck zu haben und/oder in der Woche vor der Befragung blutdrucksenkende Medikamente eingenommen zu haben.

Was ist Bluthochdruck?

Mit jedem Herzschlag wird Blut in die Gefässe gepumpt. Bluthochdruck bzw. ein erhöhter Blutdruck liegt vor, wenn der Druck, der dabei erreicht wird, über den normalen bzw. empfohlenen Werten liegt.


Blutdruckwerte

Blutdruckwerte werden in mmHg (Millimeter Quecksilbersäule) angegeben. Gemessen werden zwei Werte:

  • Der systolische Wert bezeichnet den höchsten Druck, der in den Gefässen beim Zusammenziehen des Herzens (Systole) erreicht wird.
  • Der diastolische Wert bezeichnet den niedrigsten Druck, der erreicht wird, wenn das Herz zwischen den Schlägen entspannt (Diastole).

Der Blutdruck wird in folgendem Format angegeben: systolischer Wert/diastolischer Wert mmHg (gesprochen: «systolischer Wert zu diastolischem Wert»). Also zum Beispiel: 120/80 mmHg.


Ab wann spricht man von Bluthochdruck?

Laut den aktuellen Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC – European Society of Cardiology) spricht man bei Werten ab 140/90 mmHg von Bluthochdruck, wenn die Messung in einer ärztlichen Praxis erfolgt. Bei der Selbstmessung zuhause gelten bereits Werte ab 135/85 als Bluthochdruck.

Von erhöhtem Blutdruck wird bereits ab einem Wert von 120/70 mmHg gesprochen. Unter bestimmten Voraussetzungen, zum Beispiel wenn weitere Risikofaktoren vorliegen, wird bereits bei erhöhtem Blutdruck die Einleitung einer Therapie zur Blutdrucksenkung empfohlen.

Mögliche Ursachen und Risikofaktoren

Primäre Hypertonie

Bluthochdruck kann verschiedene Ursachen haben. In einem Grossteil der Fälle handelt es sich um eine sogenannte essenielle (primäre) Hypertonie. Dabei ist keine eindeutige körperliche Ursache feststellbar. Vielmehr spielen mehrere Faktoren zusammen, zum Beispiel:

  • Zu hoher Salzkonsum
  • Übergewicht und Adipositas
  • Bewegungsmangel
  • Chronischer Stress und Schlafmangel
  • Rauchen und Alkoholkonsum


Sekundäre Hypertonie

Bei etwa 10-35 % der Bluthochdruck-Betroffenen handelt es sich laut aktuellen Angaben der ESC um eine sekundäre Hypertonie, das sind mehr als bisher angenommen. Diese wird durch Erkrankungen wie Nierenleiden oder hormonelle Störungen ausgelöst.

Wie wird Bluthochdruck (Hypertonie) festgestellt?

Welche Symptome verursacht Bluthochdruck?

Bluthochdruck verursacht oft lange Zeit keine Beschwerden. Viele Menschen fühlen sich trotz hoher Werte vollkommen gesund und weisen keine Symptome auf.


Diagnose von Bluthochdruck

Eine Blutdruckmessung, entweder von den Patient:innen selbst durchgeführt oder im Rahmen einer ärztlichen Untersuchung, zum Beispiel beim Hausarzt oder einem Spezialisten für Innere Medizin, ist daher meist der erste Schritt auf dem Weg zur Diagnose. Werden dabei erhöhte Werte festgestellt, wird der Verdacht auf Hypertonie durch weitere Messungen überprüft.

Die Diagnose von Bluthochdruck erfolgt durch wiederholte Blutdruckmessungen an verschiedenen Tagen und zu verschiedenen Tageszeiten. Schwankungen des Blutdrucks im Tagesverlauf sind nämlich normal. 

Die Messung ausserhalb der Arztpraxis wird empfohlen, um eine so genannte Weisskittelhypertonie (situationsbedingte Blutdruckerhöhung bei der Messung in einer Arztpraxis) oder maskierte Hypertonie auszuschliessen.

  • Die häusliche Blutdruckselbstmessung erfolgt nach einem strukturierten Protokoll und mit einem validierten Messgerät. Die Messwerte werden aufgezeichnet und in der Arztpraxis ausgewertet.
  • Häufig wird eine 24-Stunden-Blutdruckmessung durchgeführt. Dieses Verfahren liefert einen genauen Überblick über die Blutdruckverläufe im Tages- und Nachtrhythmus.
  • Laboruntersuchungen, ein EKG und eine Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiographie) helfen, mögliche Folgeerkrankungen zu erkennen.


Risiken von Bluthochdruck

Mit dauerhaft hohem Blutdruck steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Organschäden und Schäden an den Blutgefässen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO bezeichnet Bluthochdruck als «lautlosen Killer», der für fast ein Viertel der Todesfälle und 13 % der Behinderungen in der Europäischen Union verantwortlich ist.

Mit steigendem Blutdruck steigt zum Beispiel das Risiko für Aneurysmen der Hauptschlagader, Atherosklerose, Schäden an Augen, Nieren und Gehirn, Verdickung des Herzmuskels, Herzinsuffizienz, Herzinfarkt und Schlaganfall.

Behandlung: So wird Bluthochdruck therapiert

Ziel jeder Therapie ist es, den Blutdruck zu senken, um Spätfolgen zu vermeiden. Dabei können folgende Faktoren eine Rolle spielen:


Lebensstiländerung

In vielen Fällen beginnt die Behandlung mit einer Veränderung des Lebensstils. Konsequente Massnahmen in diesem Bereich können helfen, die Werte deutlich zu verbessern. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Reduktion von Übergewicht
  • Mehr Bewegung im Alltag (z.B. durch Gehen oder Treppensteigen)
  • Mindestens 150 Minuten pro Woche moderates oder 75 Minuten pro Woche intensives Bewegungstraining
  • Verzicht auf Nikotin
  • Reduktion des Alkohol- und Koffeinkonsums
  • Reduktion des Kochsalzkonsums (maximal 5 Gramm pro Tag)
  • Anpassung der Ernährung: Bestimmte Lebensmittel können zur Blutdrucksenkung beitragen, etwa Gemüse mit hohem Kaliumgehalt.


Medikamentöse Therapie

Reicht eine Änderung des Lebensstils nicht aus, kommen blutdrucksenkende Medikamente (Blutdrucksenker) zum Einsatz – meist in Form einer Kombinationstherapie. Häufig verwendete Wirkstoffe sind:

  • ACE-Hemmer oder AT1-Blocker (wirken gefässerweiternd)
  • Betablocker (senken Herzfrequenz und Blutdruck)
  • Kalziumantagonisten (verhindern das Zusammenziehen der Gefässe)
  • Diuretika (entwässernde Medikamente zur Entlastung des Blutkreislaufs)


Die Wahl des Medikaments richtet sich nach Alter, Vorerkrankungen und individuellen Bedürfnissen der Patient:innen.


Frühe Diagnose als Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung

Es ist wichtig, Bluthochdruck möglichst früh festzustellen und gezielt zu behandeln – denn eine anhaltende Hypertonie schädigt auf Dauer wichtige Organe wie Herz, Gehirn, Augen und Nieren. Unbehandelt drohen Schlaganfall, Herzinfarkt, Herzschwäche (Herzinsuffizienz) oder Nierenversagen.

eine ältere frau lässt sich von zwei personen den blutdruck messen.

Bluthochdruck in der Pflege – was ist zu beachten?

In Pflegeeinrichtungen und in der häuslichen Pflege bzw. Live-in-Betreuung ist Bluthochdruck weit verbreitet. Tendenziell steigt der Blutdruck mit zunehmendem Alter an. Laut Schweizerischer Herzstiftung ist jede 5. Person in der Schweiz betroffen, bei den Über-65-Jährigen sogar jede zweite. Das beeinflusst auch die Arbeit von professionellen Pflegekräften oder pflegenden Angehörigen.


Aufgaben und Herausforderungen für Pflegekräfte

Blutdruckkontrollen

Regelmässige und korrekt durchgeführte Blutdruckmessungen mit einem geprüften Messgerät sind in der Pflege von Bluthochdruck-Patient:innen essenziell. Dabei sollten Messzeit, Position (sitzend, liegend), Armseite und besondere Umstände (z. B. Aufregung, Medikamente) dokumentiert werden. Auffällige Abweichungen bedürfen einer ärztlichen Abklärung.

Medikamentenmanagement & Überwachung von Nebenwirkungen

Wenn der behandelnde Arzt oder die Ärztin Blutdruckmedikamente verschrieben hat, obliegt es oft den Pflegekräften, für die regelmässige Einnahme in der richtigen Dosierung zu sorgen.

Viele pflegebedürftige Personen erhalten mehrere Medikamente gleichzeitig. Pflegekräfte sollten daher auch ein besonderes Augenmerk auf Nebenwirkungen bzw. plötzlich auftretende Beschwerden legen und gegebenenfalls Rücksprache mit dem Arzt oder der Ärztin halten.

Ernährungsanpassung

Pflegekräfte sollten auf eine ausgewogene Ernährung der Patient:innen achten. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Reduktion des Salzkonsums, der Höchstwert liegt laut WHO bei 5 Gramm – das ist ein Teelöffel voll. Auch eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist wichtig, insbesondere bei gleichzeitiger Gabe von Diuretika.

Mobilitätsförderung

Bewegung spielt bei der Blutdruckkontrolle eine wichtige Rolle. Schon eine etwas gesteigerte körperliche Aktivität, zum Beispiel durch tägliche Spaziergänge oder leichte Gymnastik, kann positive Effekte auf den Blutdruck haben. Pflegekräfte können Patient:innen gezielt zur Bewegung motivieren – inwiefern das im individuellen Fall möglich und sinnvoll ist, sollte aber vorher mit dem behandelnden Arzt bzw. der Ärztin abgeklärt werden.

Psychischer Beistand und Aufklärung

Viele Menschen sind durch die Diagnose Bluthochdruck verunsichert oder fühlen sich überfordert. Pflegekräfte können durch Gespräche beruhigen, aufklären und die Bedeutung der Therapie verständlich machen. Fragen sollten immer ernst genommen und in einfacher, klarer Sprache beantwortet werden.

Fazit

Bluthochdruck (medizinisch als Hypertonie bezeichnet) ist ein weit verbreitetes Krankheitsbild. Obwohl zu hoher Blutdruck meist keine direkten Symptome verursacht, kann er unbehandelt schwerwiegende Folgen haben – zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Organschäden. Für die Diagnose von Hypertonie ist die regelmässige Blutdruckmessung entscheidend. Bei der Therapie von erhöhtem Blutdruck bzw. Bluthochdruck steht die Lebensstiländerung, etwa durch die Reduktion des Salzkonsums oder verstärkte körperliche Aktivität, im Vordergrund. Gegebenenfalls kann auch die Gabe von Medikamenten erforderlich sein.

In der Pflege spielt die Betreuung von Menschen mit Hypertonie eine bedeutende Rolle – sowohl in professionellen Einrichtungen als auch im häuslichen Umfeld. Professionelle Pflegehilfen sowie pflegende Angehörige müssen den Blutdruck im Blick behalten, das Medikamentenmanagement begleiten und auf etwaige Nebenwirkungen achten. Eine gute Pflege kann massgeblich dazu beitragen, die Lebensqualität zu erhalten, Komplikationen zu verhindern und das Gefühl von Sicherheit im Alltag zu stärken. Für pflegende Angehörige ist es wichtig, sich umfassend über das Thema zu informieren. Professionelle Betreuer:innen lernen im Rahmen einer Ausbildung zur Pflegehilfe alles, was sie über die Pflege von Patient:innen mit Bluthochdruck wissen müssen.

Quellen: