Pflegebedürftigkeit und Finanzen: Wie man die Kosten der 24-Stunden-Betreuung bewältigt und finanzielle Unterstützung erhält

Die Unterstützung eines geliebten Menschen kann sowohl emotional als auch finanziell belastend sein. Wenn eine 24-Stunden-Betreuung notwendig wird, steigen die Kosten schnell an. In diesem Artikel zeigen wir Ihnen, wie Sie die Kosten bewältigen und welche finanzielle Unterstützung Ihnen in der Schweiz zur Verfügung steht.

Inhaltsverzeichnis

Welche Faktoren können die Höhe der Kosten beeinflussen?

Die Aufwendungen für eine 24-Stunden-Betreuung hängen von verschiedenen Faktoren ab und variieren mitunter sehr stark. In diesem Abschnitt werden wir daher die wichtigsten Einflussfaktoren sowie die durchschnittlichen Kosten in der Schweiz erläutert.

Betreuungsbedarf: Der individuelle Bedarf einer pflegebedürftigen Person spielt eine grosse Rolle bei der Bestimmung der Kosten. Je mehr Unterstützung benötigt wird, desto mehr muss in der Regel dafür bezahlt werden. Zu den individuellen Hilfsleistungen zählen zum Beispiel körperliche Pflege, Unterstützung bei alltäglichen Aufgaben und die Anzahl der Betreuungsstunden pro Tag.

Betreuungspersonal: Die Erfahrung und Qualifikation des Betreuungspersonals wirken sich ebenfalls entsprechend aus. Höher qualifizierte Betreuungskräfte, wie Fachkräfte mit speziellen Ausbildungen oder langjähriger Erfahrung, können höhere Kosten verursachen als weniger qualifizierte Betreuer:innen. Beachten Sie hierbei auch, dass Sie auch für die Verpflegung sowie Unterkunft der Betreuungsperson verantwortlich sind.

Region: Die Aufwendungen für die Betreuung in der Schweiz variieren je nach Region. In städtischen Gebieten oder Regionen mit höheren Lebenshaltungskosten fallen die Gesamtkosten für die Betreuung tendenziell höher aus als in ländlichen Gebieten.

Betreuungsmodell: Entscheidet man sich für eine umfassende 24-Stunden-Betreuung, dürften die Ausgaben zwischen 6.900 und 7.800 CHF pro Monat (30 Tage) liegen, in Hochlohn-Regionen sogar bei bis zu 8.400 CHF. Bei einem Teilzeitmodell der Betreuung sind die Aufwendungen entsprechend niedriger. Jedoch wird in diesem Fall ein Teil der Betreuungsaufgaben von den Angehörigen erledigt.

Welche Möglichkeiten gibt es, um die Kosten der 24-Stunden-Betreuung zu reduzieren?

Durch gezielte Massnahmen können die Betreuungskosten teils erheblich gesenkt werden. Hier sind mögliche Beispiele:

Krankenkassen

Obwohl der Aufenthalt in einem Pflegeheim oder einer Seniorenresidenz deutlich teurer wäre, beteiligen sich derzeit weder die Gemeinden noch die Krankenkassen an den Kosten einer 24-Stunden-Betreuung. Wenn Sie auf einen professionellen Betreuungsdienst setzen, der mit der Spitex zusammenarbeitet, übernimmt die Krankenkasse aber zumindest die Kosten für die Grundpflege. Im Durchschnitt handelt es sich hierbei um 2 Stunden pro Tag.

Versicherungsleistungen

Viele Zusatzversicherungen übernehmen kleinere Beträge für hauswirtschaftliche Leistungen, sofern eine ärztliche Verordnung vorliegt. Informieren Sie sich bei Ihrer Versicherung über mögliche Leistungen und wie Sie diese in Anspruch nehmen können.

Hilflosenentschädigung

Unabhängig von Ihrem Einkommen und Vermögen haben Sie im Fall von Pflegebedürftigkeit einen Anspruch auf Hilflosenentschädigung. Eine Person gilt als hilflos, wenn sie bei alltäglichen Tätigkeiten wie Ankleiden, Körperpflege, Essen und dergleichen ständig auf Unterstützung angewiesen ist oder wenn sie kontinuierlich Pflege oder persönliche Überwachung benötigt.

Je nach dem Grad der Hilflosigkeit handelt es sich um monatlich CHF 237, CHF 593 oder CHF 948 . Der Anspruch wird in der Regel von der Spitex abgeklärt und bei der örtlichen AHV-Stelle beantragt.

Steuerliche Absetzbarkeit

Leider gibt es zwischen den Gemeinden keine einheitlichen Regelungen hinsichtlich der anrechenbaren Höhe beim Steuerabzug. Informieren Sie sich bei Ihrer Gemeinde über die geltenden Regelungen.

Wenn Sie die Ausgaben für die 24-Stunden-Betreuung in Ihrer Steuererklärung gelten machen müssen, sollten Sie die folgenden Punkte beachten:

  • Legen Sie der Steuererklärung eine Bestätigung des behandelnden Arztes bei oder den vom Arzt unterzeichneten Fragebogen „Abzug von behinderungsbedingten Kosten“.
  • Fügen Sie den Nachweis der Jahreskosten bei oder tragen Sie diese im Fragebogen unter „Behinderungsbedingte Kosten“ ein.
  • Legen Sie alle Monatsrechnungen in Kopie der Steuererklärung bei.

Ergänzungsleistungen

In bestimmten Fällen dürfen pflegebedürftige Personen Ergänzungsleistungen zur AHV/IV-Rente beantragen. Diese Leistungen helfen, die anfallenden Kosten für die Betreuung zu decken. Informieren Sie sich bei der örtlichen Ausgleichskasse über die Voraussetzungen und das Antragsverfahren.

Die von uns genannten Möglichkeiten sind nicht exklusiv zu betrachten, sondern können – sofern zutreffend – unabhängig voneinander in Anspruch genommen werden.

3 wichtige Tipps für die finanzielle Planung

Planen Sie frühzeitig

Eine frühzeitige Planung der finanziellen Aspekte der Pflege ist entscheidend, um in der Zukunft gut abgesichert zu sein. Indem man sich frühzeitig mit Finanzierungsmöglichkeiten auseinandersetzt, lassen sich unangenehme Überraschungen vermeiden und nötige Vorkehrungen treffen.

Suchen Sie die Kommunikation mit Angehörigen

Offene Kommunikation mit den Angehörigen ist ein weiterer wichtiger Aspekt bei der finanziellen Planung der Pflege. Es ist ratsam, die Familie in die Planung einzubeziehen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen, um die finanzielle Belastung auf mehrere Schultern zu verteilen.

Arbeiten Sie mit Finanz- und Pflegefachleuten zusammen

Ein professioneller Anbieter mit langjähriger Erfahrung garantiert nicht nur die bestmögliche Betreuung für Ihre Angehörigen, sondern unterstützt Sie auch bei der Beantragung von finanziellen Hilfen sowie bei der Kommunikation mit Versicherungen und Behörden.

Fazit

Die 24-Stunden-Betreuung spielt eine wichtige Rolle in der Versorgung von pflegebedürftigen Menschen. Die Finanzierung dieser Leistungen stellt jedoch eine Herausforderung dar, die frühzeitig angegangen werden sollte. Durch eine umfassende Planung und Nutzung der verschiedenen Finanzierungsmöglichkeiten sowie staatlichen Unterstützungsangebote können Betroffene und ihre Familien die finanzielle Belastung besser bewältigen. Eine offene Kommunikation mit Angehörigen und die Zusammenarbeit mit Finanz- und Pflegefachleuten sind dabei entscheidende Faktoren, um eine optimale Lösung für die individuellen Bedürfnisse zu finden.

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Wie kann ich den Pflegebedarf ermitteln?

Um den Pflegebedarf zu ermitteln, werden Assessments durchgeführt, die den Grad der Selbstständigkeit in verschiedenen Lebensbereichen erfassen. In der Schweiz wird häufig das RAI (Resident Assessment Instrument) verwendet, ein standardisiertes Verfahren zur Erfassung des Pflegebedarfs. Anhand der Ergebnisse können die benötigten Pflegeleistungen und die geeignete Betreuungsform ausgewählt werden.

Wie finde ich das richtige Betreuungspersonal?

Die einfachste Lösung, um geeignetes Betreuungspersonal zu finden, ist, sich mit entsprechenden Institutionen und Agenturen, welche sich auf die Vermittlung von Betreuungskräften spezialisiert haben, in Verbindung zu setzen. Es empfiehlt sich, verschiedene Anbieter zu vergleichen und persönliche Gespräche zu führen, um die beste Lösung für die jeweilige Situation zu finden.

Wie kann ich mich auf die Kosten der 24-Stunden-Betreuung vorbereiten?

Um sich auf die Ausgaben vorzubereiten, ist eine frühzeitige Planung essenziell. Setzen Sie sich mit den verschiedenen Finanzierungsmöglichkeiten und staatlichen Unterstützungsangeboten auseinander, kommunizieren Sie offen mit Ihren Angehörigen und ziehen Sie Finanz- und Pflegefachleute zurate, um die bestmögliche Lösung für Ihre individuellen Bedürfnisse zu finden.

 

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Beitrag von

Rainer Perprunner

Geschäftsführer und Ansprechpartner für alle Fragen rund um die 24-Stunden Betreuung. Rainer verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung im Personalmanagement und ist seit 2015 im Bereich der Vermittlung von Betreuungskräften für die Live-in-Betreuung von pflegebedürftigen Menschen, die zu Hause betreut werden möchten, tätig. Als Spezialist in allen Fragen der Vermittlung und Betreuung verfügt er über umfassende Kenntnisse in allen rechtlichen, administrativen und organisatorischen Aspekten der häuslichen Betreuung.

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