Inkontinenz: Strategien und Produkte im Umgang mit unfreiwilligem Stuhl- und Harnverlust

Badezimmer mit geschlossener Tür, Handtuch und Seife

Viele Menschen, die auf eine 24-Stunden-Betreuung angewiesen sind, sind auch von Inkontinenz betroffen, was sowohl für die betroffenen Personen als auch für die Betreuungspersonen eine grosse Herausforderung darstellt. Zu den Schwierigkeiten zählen unter anderem Schamgefühle, die Bewältigung von Unfällen und Gerüchen, die Auswahl geeigneter Produkte und die Anpassung des Alltags an die Inkontinenz.

Dieser Artikel soll einen umfassenden Überblick über Strategien und Produkte bieten, die bei der Betreuung von Menschen mit Inkontinenz in der 24-Stunden-Betreuung hilfreich sein können. Dazu werden sowohl pflegerische Ansätze als auch verschiedene Inkontinenzprodukte und Hilfsmittel vorgestellt und diskutiert. Ziel ist es, Betreuungspersonen und Angehörigen wertvolle Informationen und Anregungen für den Umgang mit dieser anspruchsvollen Situation zu geben.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Inkontinenz?

Inkontinenz bezeichnet den ungewollten Verlust der Kontrolle über die Blasen- oder Darmentleerung, was zu ungewolltem Urin- oder Stuhlabgang führt. Diese Erkrankung kann verschiedene Ursachen haben und in verschiedenen Formen auftreten.

Die häufigsten Arten der Inkontinenz sind:

  1. Harninkontinenz: Sie ist weit verbreitet und beinhaltet den ungewollten Urinverlust. Es gibt verschiedene Typen, wie Stressinkontinenz (bei körperlicher Belastung wie Husten, Niesen), Dranginkontinenz (plötzlicher, starker Harndrang), Überlaufinkontinenz (ständiges Tröpfeln aufgrund einer überfüllten Harnblase) und funktionelle Inkontinenz (bedingt durch andere Faktoren wie eingeschränkte Mobilität).
  2. Stuhlinkontinenz: Hierbei kommt es zum unkontrollierten Abgang von Stuhl. Dies kann von gelegentlichem Stuhlschmieren bis hin zu vollständigem Verlust der Kontrolle über den Darm reichen.

In der Schweiz sind schätzungsweise 400’000 Personen betroffen. Die Häufigkeit und das Risiko einer Inkontinenz nehmen mit dem Alter zu, wobei Frauen generell stärker gefährdet sind als Männer.

Info: Etwa jede vierte Frau leidet im Laufe ihres Lebens unter unkontrolliertem Harnverlust. Die grösste Gruppe der Betroffenen sind ältere Frauen ab 80 Jahren. Hier sind laut einer deutschen Studie sogar 40 % der Befragten inkontinent.

Grundsätzlich handelt es sich aber um ein Problem, das beide Geschlechter betrifft.

Die unterschiedlichen Formen der Inkontinenz

Um eine angemessene Versorgung und Betreuung sicherzustellen und auf die individuellen Bedürfnisse der betroffenen Personen eingehen zu können, ist wichtig, die unterschiedlichen Formen der Inkontinenz zu verstehen. Deshalb werden wir, bevor wir in das Thema der Betreuung eintauchen, die verschiedenen Arten von Inkontinenz, ihre jeweiligen Symptome und deren Ursachen erläutert.

Harninkontinenz: der unfreiwillige Harnverlust

Unter Harninkontinenz versteht man den Verlust oder das Nichterlernen der Fähigkeit, Urin verlustfrei in der Harnblase zu speichern sowie Ort und Zeitpunkt der Entleerung selbstständig zu bestimmen. Man unterscheidet zwischen den folgenden Formen:

Belastungsinkontinenz

Belastungsinkontinenz tritt auf, wenn Druck auf die Blase ausgeübt wird, beispielsweise beim Husten, Niesen, Lachen oder Heben schwerer Gegenstände. Dabei kommt es zu unkontrolliertem Harnverlust. Diese Art der Inkontinenz ist häufig auf eine Schwäche der Beckenbodenmuskulatur zurückzuführen.

Dranginkontinenz (überaktive Blase)

Dranginkontinenz, auch als überaktive Blase bezeichnet, ist gekennzeichnet durch plötzlichen, starken Harndrang, der nur schwer kontrolliert werden kann. Betroffene haben oft Schwierigkeiten, rechtzeitig die Toilette zu erreichen. Ursachen können neurologische Erkrankungen, Blasenentzündungen oder Veränderungen im Blasengewebe sein.

Überlaufinkontinenz

Überlaufinkontinenz entsteht, wenn die Blase nicht vollständig entleert werden kann und überläuft. Betroffene verlieren häufig ungewollt kleine Mengen Urin. Mögliche Ursachen sind eine vergrösserte Prostata, Blasenmuskel- oder Nervenschwäche oder Medikamentennebenwirkungen.

Reflexinkontinenz

Reflexinkontinenz ist durch unwillkürlichen Harnverlust ohne vorherigen Harndrang gekennzeichnet. Dieser Inkontinenztyp tritt häufig bei Personen mit neurologischen Erkrankungen oder Verletzungen auf, die die Nerven beeinträchtigen, welche die Blase kontrollieren.

Funktionelle Inkontinenz

Funktionelle Inkontinenz bezieht sich auf Situationen, in denen Personen aufgrund von körperlichen oder kognitiven Einschränkungen nicht rechtzeitig die Toilette erreichen können, obwohl die Blase und der Schliessmuskel normal funktionieren. Ursachen können Mobilitätseinschränkungen, Demenz oder andere kognitive Beeinträchtigungen sein.

Sonderfall Reizblase

Das Syndrom der überaktiven Blase oder Reizblase (OAB, engl. overactive bladder) ist der Definition nach keine Form der Inkontinenz. Tritt im Rahmen des Krankheitsbildes Urinverlust auf, spricht man von Dranginkontinenz. Die Erkrankung kann aber auch ohne Urinverlust bestehen und sich durch einen unangenehmen, häufigen Harndrang äussern.

Stuhlinkontinenz: der unerwünschte Stuhlabgang

Stuhlinkontinenz bezeichnet die mangelnde Fähigkeit, Stuhl ungeachtet seiner Konsistenz willkürlich zurückzuhalten. Sie kann auf verschiedene Weise klassifiziert werden. Die gebräuchlichste Methode zur Einteilung der Stuhlinkontinenz ist die klinische Einteilung in drei Schweregrade.

Grad 1: Leichte Stuhlinkontinenz

Der unkontrollierte Abgang von Winden. Dies weist auf eine milde Beeinträchtigung der Kontrollfähigkeit hin, bei der Betroffene Schwierigkeiten haben, Gasentweichungen zu regulieren.

Grad 2: Mittlere Form der Stuhlinkontinenz

Charakteristisch für diese Art der Inkontinenz ist der ungewollte Abgang von dünnflüssigem Stuhl, was auf eine stärkere Beeinträchtigung hinweist.

Grad 3: Schwere Stuhlinkontinenz

Dies ist die schwerste Form der Störung und bedeutet, dass die Kontrolle über den Stuhl fast vollständig verloren gegangen ist.

Einflüsse, Ursachen und Risikofaktoren

älterer mann mit ernstem blick sitzt vor einem bücherregal.

Die aufgeführten Risikofaktoren betreffen sowohl die Harn- als auch die Stuhlinkontinenz. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die spezifischen Auswirkungen je nach Art der Inkontinenz unterschiedlich sein können.

  • Altersbedingte Inkontinenz: Mit zunehmendem Alter verlieren Gewebe und Muskeln an Elastizität, wodurch der Beckenboden geschwächt und die natürlichen Öffnungen erweitert werden. Dies beeinträchtigt die Schliessmechanismen von Blase und Darm und führt häufig zu Inkontinenz. Im Alter spielen auch Mobilitätseinschränkungen, die Einnahme mehrerer Medikamente oder kognitive Beeinträchtigungen eine Rolle bei der Entstehung von Inkontinenz.
  • Inkontinenz durch Erkrankungen von Organen und Nerven: Erkrankungen des Urogenitaltrakts wie Harnwegsinfektionen, Blasensteine oder eine vergrösserte Prostata können Harninkontinenz verursachen. Neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Schlaganfall oder Parkinson beeinträchtigen die Nervenimpulse und führen mitunter sowohl zu Harn- als auch zu Stuhlinkontinenz. Übergewicht und Darmprobleme, etwa chronische Verstopfung oder das Reizdarmsyndrom, sind ebenfalls bekannte Risikofaktoren für Stuhlinkontinenz.
  • Inkontinenz als Nebenwirkung von Medikamenten: Bestimmte Medikamente wie Diuretika, ACE-Hemmer, Betarezeptorenblocker und Cholinesterase-Hemmer können Inkontinenz als unerwünschte Nebenwirkung haben. Diese Wirkstoffe beeinflussen die Blasen- und Darmfunktion und erhöhen das Risiko einer Harn- und Dranginkontinenz.
  • Psychisch bedingte Inkontinenz: Psychische Belastungen wie Stress beeinträchtigen das Nervensystem und wirken sich potenziell verstärkend oder auslösend auf Harn- und Stuhlinkontinenz aus.
  • Inkontinenz in der Schwangerschaft und nach der Geburt: Sowohl Schwangerschaft als auch Geburt belasten den Beckenboden. Dadurch kann es zu Verletzungen der Beckenmuskulatur, des Bindegewebes oder der Nerven kommen. Auch Verletzungen des Schliessmuskels während der Geburt führen manchmal zu Stuhlinkontinenz.
  • Inkontinenz nach einer Prostatektomie: Unter einer Prostatektomie versteht man die operative Entfernung der Prostata bei Prostatavergrösserung oder Prostatakrebs. Neben der Prostata müssen dabei auch Teile der Harnröhre und des Schliessmuskels entfernt werden. Ist die Funktion des Blasenschliessmuskels danach nicht mehr intakt, sollte der Harnröhrenschliessmuskel trainiert werden. In vielen Fällen bessert sich die Harninkontinenz in den ersten Wochen oder Monaten nach der Operation.

Erste Anzeichen und mögliche Hinweise: Früherkennung von Inkontinenz

Noch immer gilt Inkontinenz in der Gesellschaft als Tabuthema. Häufig verbergen die Betroffenen ihre Symptome vor anderen, weil sie sich schämen. Dadurch leidet nicht nur das Selbstwertgefühl, sondern auch das soziale Leben. Damit es erst gar nicht so weit kommt, sollte man sich als Angehöriger oder Pflegekraft mit den Anzeichen von Inkontinenz vertraut machen.

Folgende 10 Merkmale könnten darauf hindeuten, dass jemand unter Inkontinenz leidet:

  • Urin- oder Stuhlgeruch bei der Person oder in ihrer Umgebung
  • Sozialer Rückzug, vermehrter Aufenthalt in der Wohnung im Haus
  • Vermeidung von körperlicher Aktivität
  • Beschwerden beim Sitzen oder Aufstehen
  • Prophylaktische und häufige Toilettengänge
  • Ungewöhnlich häufiges Wechseln der Kleidung
  • Verminderte Flüssigkeitsaufnahme
  • Gelbliche oder braune Flecken auf Kleidung oder Bettwäsche
  • Vermehrter Gebrauch von Slipeinlagen oder Binden
  • Klagen über Unterleibs-, Blasen- oder Darmschmerzen

 

Ein offener Umgang und die frühzeitige Konsultation eines Arztes sind wichtige Schritte zur Verbesserung des Wohlbefindens.

Bei einem Arztbesuch wird in der Regel zunächst eine Anamnese durchgeführt, um die Symptome und mögliche Ursachen zu besprechen. Dabei unterhält sich der Arzt oder das medizinische Fachpersonal mit dem Patienten, um verschiedene Aspekte seiner Gesundheit zu verstehen.

Danach folgen in der Regel körperliche Untersuchungen und gegebenenfalls spezielle Tests wie Urin-, Tast- oder Ultraschalluntersuchungen, um die Diagnose zu sichern und eine geeignete Behandlung zu planen.

Allgemeine Strategien im Umgang mit Inkontinenz

mann führt beckenbodentraining durch

Eine individuell angepasste Kombination von verschiedenen Strategien kann dazu beitragen, die Symptome der Inkontinenz zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. In diesem Abschnitt werden allgemeine Ansätze zur Bewältigung von Inkontinenzproblemen vorgestellt.

Regelmässige Toilettengänge

Ein strukturierter Zeitplan für Toilettengänge kann helfen, die Blase zu entleeren, bevor es zu ungewolltem Harnverlust kommt. Dies kann besonders hilfreich sein bei Drang- oder Überlaufinkontinenz.

Beckenbodentraining

Beckenbodentraining stärkt die Muskulatur im Beckenbodenbereich und kann insbesondere bei Belastungsinkontinenz hilfreich sein. Durch gezielte Übungen wird die Kontrolle über die Blase verbessert und ungewollter Harnverlust reduziert.

Blasentraining

Blasentraining zielt darauf ab, die Kapazität der Blase zu erhöhen und den Harndrang besser zu kontrollieren. Dazu werden die Zeitintervalle zwischen den Toilettengängen schrittweise verlängert, um die Blase an grössere Harnmengen zu gewöhnen.

Medikamentöse Behandlung

In manchen Fällen kann die Einnahme von Medikamenten zur Linderung von Inkontinenzsymptomen beitragen. Diese sollten jedoch nur in Absprache mit einem Arzt eingenommen werden, da sie Nebenwirkungen haben können und nicht für alle Inkontinenzarten geeignet sind.

Operative Behandlung

Falls konservative Therapien keinen Erfolg zeigen, kann bei besonders schweren Beeinträchtigungen auch ein chirurgischer Eingriff in Betracht gezogen werden. Das Ziel einer solchen Operation ist es, die Haltestrukturen des Beckenbodens zu stärken oder die Funktion der Schliessmuskulatur wiederherzustellen. Zum Beispiel durch das Einsetzen eines künstlichen Schliessmuskels. Die Entscheidung bedarf immer einer sorgfältigen Abwägung durch einen Facharzt.

Spezifische Produkte zur Inkontinenzversorgung

Neben allgemeinen Strategien gibt es auch spezielle Produkte, die im Umgang mit Inkontinenz hilfreich sein können. Sie tragen dazu bei, die Lebensqualität zu erhalten und den Alltag der Betroffenen und ihrer Betreuungspersonen zu erleichtern.

Einlagen

Einlagen sind saugfähige Produkte, die in der Unterwäsche getragen werden und Harn oder Stuhl auffangen. Sie sind in verschiedenen Grössen und Saugstärken erhältlich und können je nach Bedarf ausgewählt werden.

Windeln

Windeln sind eine weitere Möglichkeit zur Inkontinenzversorgung, insbesondere bei starker Inkontinenz oder Stuhlinkontinenz. Sie bieten maximalen Schutz und sind in verschiedenen Grössen, Saugstärken und Passformen erhältlich. Windeln können sowohl für Erwachsene als auch für Kinder mit Inkontinenzproblemen verwendet werden.

Inkontinenzhosen

Inkontinenzhosen sind spezielle Unterhosen, die eine integrierte saugfähige Schicht haben oder Platz für Einlagen bieten. Sie können bei leichter bis mittlerer Inkontinenz verwendet werden und bieten mehr Sicherheit als herkömmliche Unterwäsche.

Bettschutzeinlagen

Bettschutzeinlagen werden auf der Matratze platziert, um diese vor Feuchtigkeit und Verunreinigungen durch Inkontinenz zu schützen. Sie sind in verschiedenen Grössen und Materialien erhältlich und können je nach Bedarf wiederverwendbar oder zum Einmalgebrauch sein.

Hautpflegeprodukte

Hautpflegeprodukte, wie spezielle Reinigungslotionen, Cremes oder Schutzbarrieren, sind wichtig, um die empfindliche Haut im Intimbereich vor Irritationen und Entzündungen durch Kontakt mit Urin oder Stuhl zu schützen. Sie sollten regelmässig angewendet und bei Bedarf auch mehrmals täglich erneuert werden.

Integration von Inkontinenzprodukten in den Pflegealltag

Eine sorgfältige Integration von Inkontinenzprodukten in den Pflegealltag ist entscheidend, um den Betroffenen eine angemessene Versorgung und ein hohes Mass an Wohlbefinden zu bieten. Im Folgenden werden einige wichtige Aspekte im Umgang mit Inkontinenzprodukten im Pflegealltag erläutert.

Auswahl der passenden Produkte

Die Auswahl der geeigneten Inkontinenzprodukte ist von zentraler Bedeutung. Dabei sollten Faktoren wie Inkontinenzart, Schweregrad, Mobilität und persönliche Vorlieben berücksichtigt werden. Eine individuelle Beratung durch Fachpersonal kann hilfreich sein, um das passende Produkt zu finden.

Anwendung und Wechsel

Eine korrekte Anwendung und ein regelmässiger Wechsel der Inkontinenzprodukte sind wichtig, um Hautirritationen und Infektionen vorzubeugen. Pflegekräfte sollten sich mit den spezifischen Anwendungshinweisen der jeweiligen Produkte vertraut machen und auf die Bedürfnisse der betreuten Person eingehen.

Entsorgung und Hygiene

Die fachgerechte Entsorgung und Hygiene sind essenzielle Bestandteile der Inkontinenzversorgung. Gebrauchte Produkte sollten in einem verschlossenen Beutel oder einem speziellen Abfallbehälter entsorgt werden. Zudem ist es wichtig, die Hände und den betroffenen Bereich der Person gründlich zu reinigen, um Infektionen und Geruchsbildung zu vermeiden.

Hilfsmittel zur Erleichterung der Inkontinenzversorgung

Neben Inkontinenzprodukten können auch verschiedene Hilfsmittel zur Erleichterung der Inkontinenzversorgung beitragen. Sie unterstützen sowohl die betroffenen Personen als auch die Pflegekräfte und tragen zu einer verbesserten Lebensqualität bei.

Toilettensitzerhöhungen

Toilettensitzerhöhungen erleichtern das Hinsetzen und Aufstehen beim Toilettengang, insbesondere für Personen mit eingeschränkter Mobilität. Sie sind in verschiedenen Höhen und Ausführungen erhältlich und können auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt werden.

Haltegriffe und Stützsysteme

Haltegriffe und Stützsysteme bieten zusätzliche Sicherheit und Unterstützung beim Toilettengang. Sie können an der Wand oder am Boden befestigt werden und sind in verschiedenen Längen und Materialien verfügbar.

Urinale und Bettpfannen

Urinale und Bettpfannen sind praktische Hilfsmittel für Personen, die Schwierigkeiten haben, selbstständig zur Toilette zu gehen. Sie sind in verschiedenen Formen und Materialien erhältlich und können sowohl für Männer als auch für Frauen verwendet werden.

Wichtigkeit von Kommunikation und Sensibilität

tröstende hand auf der schulter eines alten mannes

Im Umgang mit Inkontinenz ist eine sensible und einfühlsame Kommunikation von zentraler Bedeutung, um das Vertrauen und das Wohlbefinden der betroffenen Person zu gewährleisten. Im Folgenden werden wichtige Aspekte einer angemessenen Kommunikation in der Inkontinenzversorgung behandelt.

Einfühlungsvermögen und Diskretion

Einfühlungsvermögen und Diskretion sind unerlässlich, um die Würde der betroffenen Person zu wahren und ihr ein Gefühl von Sicherheit und Akzeptanz zu vermitteln. Pflegekräfte sollten stets auf die Gefühle und Bedürfnisse der Betroffenen eingehen und ihnen mit Respekt und Verständnis begegnen.

Offene Kommunikation mit Betroffenen und Angehörigen

Eine offene Kommunikation zwischen Pflegekräften, betroffenen Personen und deren Angehörigen trägt zu einer verbesserten Versorgung und einem besseren Verständnis der individuellen Bedürfnisse bei. Regelmässiger Austausch und gemeinsame Entscheidungen helfen, das Vertrauen zu stärken und die bestmögliche Inkontinenzversorgung sicherzustellen.

Prävention und Reduzierung von Inkontinenzrisiken

Die Prävention und Reduzierung von Inkontinenzrisiken sind wichtige Aspekte, um die Lebensqualität der betroffenen Personen zu erhalten oder zu verbessern. Die folgenden Massnahmen können dazu beitragen, die Wahrscheinlichkeit von Inkontinenzproblemen zu verringern oder ihre Auswirkungen zu minimieren.

Gesunde Ernährung und Flüssigkeitszufuhr

Eine ausgewogene Ernährung und eine angemessene Flüssigkeitszufuhr sind essenziell für die Gesundheit des Harn- und Verdauungssystems. Insbesondere sollte auf eine ausreichende Ballaststoffzufuhr geachtet werden, um Verstopfungen vorzubeugen, die zu Inkontinenzproblemen führen können.

Vorsicht bei alkoholischen, kohlensäurehaltigen und koffeinhaltigen Getränken. Das Pflegepersonal sollte den Konsum dieser Getränke überwachen und gegebenenfalls einschränken. Eine Reduzierung der genannten Substanzen kann dazu beitragen, die Blasenfunktion zu verbessern und das Risiko einer Inkontinenz zu verringern.

Körperliche Aktivität und Beweglichkeit

Regelmässige körperliche Aktivität und Beweglichkeit können das Risiko von Inkontinenz reduzieren, indem sie die Muskulatur stärken und die Blasen- und Darmfunktion unterstützen. Übungen wie Beckenbodentraining, Yoga oder Pilates können besonders hilfreich sein.

Zugluft und Kälte vermeiden

Kälte führt unter Umständen zu vermehrtem Harndrang, da der Körper versucht, die Körperkerntemperatur zu regulieren. Zugluft und Kälte können zudem die Muskeln, einschliesslich des Beckenbodens, verkrampfen, was die Inkontinenzsymptome verschlimmern kann. Eine warme, zugfreie Umgebung hilft, die Blasenfunktion zu stabilisieren und bestehende Beschwerden zu lindern.

Regelmässige Kontrolluntersuchungen

Regelmässige medizinische Kontrolluntersuchungen sind wichtig, um mögliche Risikofaktoren oder Anzeichen von Inkontinenz frühzeitig zu erkennen und geeignete Massnahmen zu ergreifen. Eine enge Zusammenarbeit mit Ärzten und Fachpersonal ist entscheidend, um eine optimale Versorgung und Prävention sicherzustellen.

Stressreduktion, Erlernen von Entspannungstechniken

Stressmanagement trägt oft direkt zur Linderung der Symptome bei. Pflegekräfte können ihre Patienten beim Erlernen von Entspannungsmethoden wie geführter Meditation, Atemtechniken oder sanften Bewegungsübungen unterstützen. Diese Techniken helfen, den Geist zu beruhigen, den Körper zu entspannen und verbessern indirekt die Kontrolle über die Blasenfunktion. Ein stressfreies und unterstützendes Umfeld ist dabei von entscheidender Bedeutung.

Häufig gestellte Fragen

Wann spricht man von Inkontinenz?

Inkontinenz liegt vor, wenn eine Person die Kontrolle über die Blasen- oder Darmentleerung verliert. Dies äussert sich durch unwillkürlichen Abgang von Urin oder Stuhl. Es gibt verschiedene Formen der Inkontinenz, die sich darin unterscheiden, wie und wann der Urin- oder Stuhlverlust auftritt. Die Diagnose Inkontinenz wird gestellt, wenn der Kontrollverlust regelmässig und nicht nur gelegentlich oder einmalig auftritt.

Ist Inkontinenz eine Krankheit?

Inkontinenz ist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern ein Zeichen für eine Funktionsstörung oder Beeinträchtigung des Harn- und/oder Darmtraktes. Sie kann durch verschiedene medizinische Bedingungen verursacht werden.

Was ist der Unterschied zwischen den verschiedenen Inkontinenzarten?

  • Die verschiedenen Inkontinenzarten unterscheiden sich hauptsächlich in ihren Ursachen und Symptomen.
  • Belastungsinkontinenz tritt aufgrund von körperlicher Belastung wie Husten, Niesen oder Heben auf.
  • Dranginkontinenz ist gekennzeichnet durch einen plötzlichen und starken Harndrang, der oft nicht kontrolliert werden kann.
  • Überlaufinkontinenz entsteht, wenn die Blase überfüllt ist und ständig kleine Mengen Urin abgeben muss.
  • Reflexinkontinenz tritt auf, wenn die Blasenmuskulatur unkontrolliert kontrahiert.
  • Funktionelle Inkontinenz ist bedingt durch körperliche oder geistige Einschränkungen, die den Gang zur Toilette erschweren.

Was löst Inkontinenz aus?

Inkontinenz wird durch eine Vielzahl von Faktoren ausgelöst. Zu den häufigsten Ursachen gehören:

  • Schwäche der Beckenbodenmuskulatur: Dies tritt besonders häufig bei Frauen nach Schwangerschaften und Geburten auf.
  • Prostatektomie bei Männern: Eine Prostatektomie bedeutet, die Prostata zu entfernen, wenn eine vergrösserte Prostata oder Prostatakrebs vorliegt. Bei diesem Eingriff müssen nicht nur die Prostata, sondern auch Teile der Harnröhre und des Schliessmuskels entfernt werden.
  • Erkrankungen: Krankheiten wie Multiple Sklerose, Parkinson oder die Folgen eines Schlaganfalls können die Nerven, die für die Kontrolle von Blase und Darm zuständig sind, in Mitleidenschaft ziehen. Diabetes, Übergewicht und andere chronische Erkrankungen sind ebenfalls mögliche Ursachen für Inkontinenz.
  • Alterungsprozess: Mit zunehmendem Alter kann es zu einer allgemeinen Schwächung der Muskulatur und zu einer Abnahme der Blasenkapazität kommen.
  • Medikamente: Bestimmte Medikamente rufen Inkontinenz als unerwünschte Nebenwirkung hervor.
  • Psychische Faktoren: Stress und Ängste können die Blasenfunktion beeinträchtigen.

Was kann man gegen Inkontinenz im Alter tun?

  • Beckenbodentraining: Die Stärkung der Beckenbodenmuskulatur durch gezielte Übungen kann sowohl bei Harn- als auch bei Stuhlinkontinenz helfen.
  • Verhaltensanpassungen: Blasentraining, regelmässige Toilettenpausen und Vermeidung von blasen- oder darmreizenden Substanzen in der Nahrung.
  • Medikamentöse Behandlung: Je nach Ursache der Inkontinenz werden verschiedene Medikamente verschrieben, um die Symptome zu lindern.
  • Einsatz von Hilfsmitteln: Inkontinenzprodukte wie Einlagen, Unterwäsche oder Katheter erleichtern den Alltag.
  • Psychologische Unterstützung: Offene Kommunikation mit Betroffenen und Angehörigen.
  • Ernährungsumstellung: Eine ballaststoffreiche Ernährung mit ausreichender Flüssigkeitszufuhr kann helfen, den Verdauungstrakt gesund zu erhalten.
  • Chirurgische Eingriffe: In schweren Fällen oder wenn andere Behandlungen nicht erfolgreich sind, kann eine Operation in Erwägung gezogen werden.

Kann Inkontinenz vollständig geheilt werden?

Ob Inkontinenz vollständig geheilt werden kann, hängt von der Ursache, dem Schweregrad und den individuellen Umständen ab. In einigen Fällen kann Inkontinenz durch gezieltes Training, Medikamente oder chirurgische Eingriffe behandelt werden. In anderen Fällen können die Symptome möglicherweise nur gelindert oder kontrolliert werden.

Wie finde ich das passende Inkontinenzprodukt für meinen Angehörigen?

Um das passende Inkontinenzprodukt für Ihren Angehörigen zu finden, sollten Sie zunächst die Art und den Schweregrad der Inkontinenz sowie die individuellen Bedürfnisse und Vorlieben der betroffenen Person berücksichtigen. Eine fachkundige Beratung durch Pflegekräfte, Apotheker oder Ärzte kann Ihnen helfen, die richtige Auswahl zu treffen.

Welche Rolle spielen Medikamente bei der Behandlung von Inkontinenz?

Medikamente können bei bestimmten Formen von Inkontinenz eingesetzt werden, um die Symptome zu lindern oder die zugrundeliegenden Ursachen zu behandeln. Die Art des Medikaments hängt von der Inkontinenzart und den individuellen Umständen ab. Eine medikamentöse Behandlung sollte immer in Absprache mit einem Arzt erfolgen.

Wie oft sollten Inkontinenzprodukte gewechselt werden?

Die Häufigkeit des Wechselns von Inkontinenzprodukten hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie der Art des Produkts, dem Schweregrad der Inkontinenz und dem individuellen Bedarf. Im Allgemeinen sollte ein Wechsel erfolgen, wenn das Produkt vollgesogen ist oder spätestens nach 4 bis 6 Stunden, um Hautreizungen und Geruchsbildung zu vermeiden.

Wie kann ich mit Betroffenen über Inkontinenz sprechen, ohne sie zu beschämen?

Um mit Betroffenen über Inkontinenz zu sprechen, ohne sie zu beschämen, sollten Sie einfühlsam, respektvoll und diskret vorgehen. Vermeiden Sie direkte Konfrontationen und suchen Sie nach einem passenden Moment, um das Thema in einer vertrauensvollen Atmosphäre anzusprechen. Stellen Sie sicher, dass die betroffene Person sich verstanden und unterstützt fühlt, und betonen Sie, dass Inkontinenz ein häufiges Problem ist, für das es verschiedene Lösungen und Hilfsmittel gibt.

Informieren Sie sich vorab über mögliche Strategien und Produkte, um konkrete Vorschläge und Informationen anbieten zu können. Ermuntern Sie die betroffene Person, offen über ihre Bedürfnisse und Sorgen zu sprechen, und versichern Sie ihr, dass Sie gemeinsam nach geeigneten Lösungen suchen werden. Zeigen Sie Verständnis und Geduld während des gesamten Prozesses, um eine vertrauensvolle Beziehung aufrechtzuerhalten und die Lebensqualität der betroffenen Person zu verbessern.

Fazit

In diesem Artikel wurden verschiedene Strategien und Produkte im Umgang mit Inkontinenz in der 24-Stunden-Betreuung erörtert. Dazu gehören die Identifizierung der verschiedenen Inkontinenzarten und ihrer Symptome, allgemeine und spezifische Massnahmen zur Bewältigung der Inkontinenz sowie die Integration von Inkontinenzprodukten und Hilfsmitteln in den Pflegealltag. Darüber hinaus wurde die Bedeutung von Kommunikation, Sensibilität und Prävention betont.

Der Umgang mit Inkontinenz erfordert eine umfassende und individuelle Herangehensweise, die auf die Bedürfnisse und Wünsche der betroffenen Person eingeht. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Pflegekräften, Betroffenen und Angehörigen sowie eine kontinuierliche Anpassung der Pflegestrategien sind unerlässlich, um die Lebensqualität der betroffenen Personen zu erhalten oder zu verbessern.

Glossar

  • Beckenbodentraining: Übungen zur Stärkung der Beckenbodenmuskulatur, um die Kontrolle über Blase und Darm zu verbessern.
  • Belastungsinkontinenz: Harnverlust durch erhöhten Druck im Bauchraum, z. B. beim Husten oder Niesen.
  • Bettschutzeinlagen: Schutzauflagen für das Bett, um es vor Nässe durch Inkontinenz zu schützen.
  • Blasentraining: Techniken zur Steigerung der Blasenkapazität und zur besseren Kontrolle des Harndrangs.
  • Dranginkontinenz: Dringender und plötzlicher Harndrang, gefolgt von unkontrolliertem Urinverlust.
  • Einlagen: Absorbierende Pads, die in Unterwäsche eingelegt werden, um Harn aufzufangen.
  • Funktionelle Inkontinenz: Unzureichende Fähigkeit, die Toilette rechtzeitig zu erreichen, obwohl die Harnkontrolle funktioniert.
  • Harninkontinenz: Unfreiwilliger Verlust von Urin.
  • Inkontinenz: Unkontrollierter Verlust der Blasen- oder Darmkontrolle, was zu unwillkürlichem Urin- oder Stuhlabgang führt.
  • Inkontinenzhosen: Spezielle Unterwäsche, die entweder absorbierend ist oder Einlagen enthält.
  • Reflexinkontinenz: Urinverlust ohne vorherigen Harndrang, meist aufgrund von Nervenschädigungen.
  • Stressinkontinenz: Urinverlust durch körperlichen Druck oder Anstrengung.
  • Toilettensitzerhöhungen: Vorrichtungen, die das Hinsetzen und Aufstehen von der Toilette erleichtern.
  • Urinale und Bettpfannen: Hilfsmittel, die bettlägerigen Personen helfen, Urin oder Stuhl aufzufangen.
  • Überlaufinkontinenz: Urinverlust aufgrund einer überfüllten Blase, oft verursacht durch eine Blasenblockade oder -schwäche.
  • Windeln: Saugfähige Produkte zur Aufnahme von Urin oder Stuhl bei Inkontinenz.

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Beitrag von

Rainer Perprunner

Geschäftsführer und Ansprechpartner für alle Fragen rund um die 24-Stunden Betreuung. Rainer verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung im Personalmanagement und ist seit 2015 im Bereich der Vermittlung von Betreuungskräften für die Live-in-Betreuung von pflegebedürftigen Menschen, die zu Hause betreut werden möchten, tätig. Als Spezialist in allen Fragen der Vermittlung und Betreuung verfügt er über umfassende Kenntnisse in allen rechtlichen, administrativen und organisatorischen Aspekten der häuslichen Betreuung.

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