Schlaf und Erholung in der 24-Stunden-Betreuung: Wichtige Tipps und Strategien für Betreuer:innen und Pflegebedürftige

Schlaf und Erholung spielen eine entscheidende Rolle in der 24-Stunden-Betreuung, insbesondere für ältere Personen und Menschen, die nach Operationen oder Unfällen vorübergehend Betreuung benötigen. In diesem Artikel wollen wir die Bedeutung von Schlaf und Erholung für das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit von Betreuer:innen und Pflegebedürftigen hervorheben und dabei auf die Herausforderungen eingehen, die sich durch individuelle Bedürfnisse ergeben.

Es ist wichtig, für beide Parteien eine optimale Erholung zu gewährleisten, doch oft lassen sich Schlaf- und Erholungszeiten nicht immer planen. Die Betreuungsform umfasst Situationen, in denen eine pflegebedürftige Person zu Hause betreut wird und die Betreuungskraft mit ihr gemeinsam in deren Haushalt lebt. In solchen Fällen ist die Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen Betreuer:innen und Angehörigen entscheidend, um den Betreuungsprozess zu optimieren und eine angemessene Unterstützung für alle Beteiligten zu gewährleisten.

Unser Ziel ist es, Ihnen wertvolle Tipps, Strategien und Informationen zu präsentieren, die Ihnen dabei helfen, die Erholung für Betreuer:innen und Pflegebedürftige zu optimieren. Dabei möchten wir sowohl auf wissenschaftliche Studien als auch auf allgemeine Ratschläge eingehen, um Ihnen einen umfassenden Überblick über das Thema «Schlaf und Erholung in der 24-Stunden-Betreung» zu bieten.

Inhaltsverzeichnis

Wissenschaftliche Studien und Erkenntnisse zur Bedeutung von Schlaf und Erholung

Auswirkungen von Schlafmangel auf Betreuer:innen und Pflegebedürftige

Schlafmangel kann sowohl für Betreuer:innen als auch für pflegebedürftige Personen erhebliche Auswirkungen haben. Eine englische Studie, die im Fachzeitschrift PLOS Medicine veröffentlicht wurde, fand heraus, dass „[…] dass eine kurze Schlafdauer mit dem Risiko chronischer Krankheiten und späterer Multimorbidität in Verbindung steht, […]. Es gab keine belastbaren Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für chronische Krankheiten bei Personen mit langer Schlafdauer […]. Unsere Ergebnisse deuten auf einen Zusammenhang zwischen kurzer Schlafdauer und Multimorbidität hin.“

Betreuer:innen, die nicht genügend schlafen, können unter körperlichen und geistigen Erschöpfungszuständen leiden, die ihre Aufmerksamkeit, Entscheidungsfindung und emotionale Regulation beeinträchtigen. Dies kann wiederum die Qualität der Betreuung und das Wohlbefinden der Pflegebedürftigen beeinflussen.

Auch für pflegebedürftige Personen ist ausreichender Schlaf entscheidend. Schlafmangel kann ihre Genesung und gesundheitliche Stabilität beeinträchtigen, zu verminderter körperlicher Funktion und erhöhtem Schmerzempfinden führen sowie das Risiko von Stürzen und weiteren gesundheitlichen Komplikationen erhöhen.

Bedeutung von Schlaf und Erholung für das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit

Eine Studie der Universität Basel belegt: „[Schlaf] ist für das Wohlergehen und die Erholung des Menschen notwendig und bildet eine für das Leben unerlässliche Phase, indem er den physischen und sozialen Alltagsstress vergessen hilft.“

Ausreichender Schlaf und Erholung sind daher für das allgemeine Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit von Betreuer:innen und Pflegebedürftigen von grosser Bedeutung. Guter Schlaf fördert die physische und psychische Regeneration und kann dazu beitragen, Stress abzubauen und die allgemeine Lebensqualität zu verbessern.

Für Betreuer:innen kann ausreichender Schlaf dazu beitragen, ihre Arbeitszufriedenheit zu erhöhen, emotionale Erschöpfung zu verringern und das Risiko von Burnout zu reduzieren. Zudem kann genügend Schlaf dazu führen, dass sie sich besser auf ihre Aufgaben konzentrieren und effektiver arbeiten können.

Pflegebedürftige Personen profitieren ebenfalls von ausreichendem Schlaf und Erholung, da dies ihre körperliche und emotionale Genesung unterstützt, das Immunsystem stärkt und dazu beiträgt, dass sie sich insgesamt wohler und zufriedener fühlen.

Rechtliche Rahmenbedingungen und Vorschriften in der Schweiz

Arbeitszeitgesetzgebung und Ruhezeiten für Betreuer:innen

In der Schweiz gibt es gesetzliche Regelungen zur Arbeitszeit und den Ruhezeiten von Betreuer:innen, um deren Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit zu schützen. Gemäss dem Arbeitsgesetz (ArG) dürfen die wöchentliche Arbeitszeit und die täglichen Arbeitsstunden bestimmte Grenzen nicht überschreiten. Zudem müssen Betreuer:innen ausreichende Ruhezeiten und Pausen erhalten.

Die genauen Regelungen hängen von der Art der Beschäftigung und den individuellen Arbeitsverträgen ab. Grundsätzlich gilt jedoch, dass Betreuer:innen nach einer gewissen Anzahl von Arbeitsstunden Anspruch auf tägliche und wöchentliche Ruhezeiten haben. Es ist wichtig, dass sowohl Betreuer:innen als auch pflegebedürftige Personen und deren Angehörige über die gesetzlichen Regelungen informiert sind, um die Einhaltung der Vorschriften sicherzustellen.

Pflichten von Betreuungsorganisationen und Einrichtungen bezüglich Arbeitszeiten und Erholungsphasen

Betreuungsorganisationen und Einrichtungen, die 24-Stunden-Betreuung anbieten, haben eine besondere Verantwortung, die Einhaltung der gesetzlichen Rahmenbedingungen und Vorschriften sicherzustellen. Dazu gehört unter anderem die Planung von Arbeitszeiten und Ruhezeiten für die Betreuer:innen, um deren Gesundheit und Wohlbefinden zu gewährleisten.

Darüber hinaus sollten Betreuungsorganisationen und Einrichtungen darauf achten, dass die Betreuer:innen angemessen in ihren Aufgaben geschult und unterstützt werden, um Stress und Überforderung zu vermeiden. Die Organisationen sollten zudem sicherstellen, dass sowohl die pflegebedürftigen Personen als auch deren Angehörige über die rechtlichen Rahmenbedingungen informiert sind und diese im Rahmen der Betreuung einhalten.

Tipps und Strategien für eine optimale Erholung

Flexible Planung von Schlaf- und Erholungszeiten

Da sich die Schlaf- und Erholungszeiten aufgrund der individuellen Bedürfnisse der betreuten Personen nicht immer planen lassen, ist eine flexible Planung unerlässlich. Betreuer:innen und pflegebedürftige Personen sollten gemeinsam realistische und angepasste Zeitpläne erstellen, die den Bedürfnissen beider Parteien gerecht werden. Es kann auch hilfreich sein, feste Ruhezeiten für Betreuer:innen einzurichten, um sicherzustellen, dass er ausreichend Zeit zur Erholung hat.

Schaffung von Rückzugsmöglichkeiten und Ruheräumen

Ein wichtiger Aspekt für eine optimale Erholung ist die Schaffung von Rückzugsmöglichkeiten und Ruheräumen für Betreuer:innen und pflegebedürftige Personen. Beide sollten über einen eigenen Bereich verfügen, in dem sie sich ausruhen und entspannen können. Dies fördert nicht nur die Privatsphäre, sondern hilft auch dabei, eine angenehme Atmosphäre zu schaffen, in der sich beide Parteien erholen können.

Einführung von Entspannungstechniken und Schlafhygiene

Zur Förderung von Schlaf und Erholung können verschiedene Entspannungstechniken und Methoden der Schlafhygiene eingesetzt werden. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Atemübungen zur Beruhigung des Geistes und des Körpers
  • Progressive Muskelentspannung zur Linderung von körperlicher Anspannung
  • Achtsamkeitsübungen zur Förderung von Ruhe und Gelassenheit
  • Das Einhalten einer regelmässigen Schlafenszeit und das Vermeiden von Bildschirmen kurz vor dem Schlafengehen
  • Schaffung einer ruhigen und angenehmen Schlafumgebung (z. B. dunkel, angenehm temperiert und leise)

Durch die Anwendung dieser Techniken und Praktiken können Betreuer/innen und pflegebedürftige Personen ihre Schlafqualität verbessern und damit ihre Erholung und ihr Wohlbefinden fördern.

 

Die Rolle von Angehörigen und Möglichkeiten ihrer Unterstützung

Einbindung von Angehörigen in den Betreuungsprozess

Angehörige spielen eine wichtige Rolle in der 24-Stunden-Betreuung. Sie kennen die pflegebedürftige Person häufig am besten und können wertvolle Informationen über deren Bedürfnisse und Gewohnheiten liefern. Durch die Einbindung von Angehörigen in den Betreuungsprozess können Betreuer:innen besser auf die individuellen Bedürfnisse der pflegebedürftigen Person eingehen und gemeinsam mit den Angehörigen eine optimale Betreuung gewährleisten.

Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen Betreuer:innen und Angehörigen

Eine offene und regelmässige Kommunikation zwischen Betreuer:innen und Angehörigen ist entscheidend für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Beide Parteien sollten sich über Fortschritte, Herausforderungen und Änderungen in der Betreuungssituation austauschen. Durch eine gute Kommunikation können mögliche Probleme frühzeitig erkannt und gemeinsam Lösungen entwickelt werden. Dies trägt dazu bei, die Betreuungsqualität zu verbessern und eine optimale Erholung für Betreuer:innen und pflegebedürftige Personen zu fördern.

Entlastungsangebote von Angehörigen für Betreuer:innen

Angehörige können ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Entlastung von Betreuer/innen spielen. Sie können beispielsweise:

  • Zeitweise die Betreuung übernehmen, um Betreuer:innen Freiräume für Erholung und eigene Interessen zu ermöglichen
  • Unterstützung bei alltäglichen Aufgaben anbieten, wie zum Beispiel Einkaufen oder die Organisation von Terminen
  • Emotionale Unterstützung leisten, indem sie ein offenes Ohr für die Sorgen und Anliegen der Betreuer:innen haben

Durch diese Entlastungsangebote können Angehörige dazu beitragen, den Stress und die Belastung für Betreuer:innen zu reduzieren und so deren Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit zu fördern.

Schlussfolgerung

In diesem Artikel haben wir verschiedene Aspekte rund um das Thema Schlaf und Erholung in der 24-Stunden-Betreuung beleuchtet. Zu den wichtigsten Tipps und Strategien zählen:

  • Die flexible Planung von Schlaf- und Erholungszeiten an die individuellen Bedürfnisse von Betreuer:innen und Pflegebedürftigen anpassen
  • Rückzugsmöglichkeiten und Ruheräume schaffen, um den Beteiligten Raum für Erholung zu bieten
  • Entspannungstechniken und Schlafhygiene einführen, um die Schlafqualität zu verbessern

Bedeutung von Zusammenarbeit, Kommunikation und gegenseitiger Unterstützung

Eine optimale Erholung in der 24-Stunden-Betreuung kann nur durch eine gute Zusammenarbeit, Kommunikation und gegenseitige Unterstützung zwischen Betreuer:innen, pflegebedürftigen Personen und Angehörigen erreicht werden. Alle Beteiligten sollten gemeinsam an Lösungen arbeiten, um die Betreuungsqualität zu verbessern und die Bedürfnisse der jeweils anderen Partei zu berücksichtigen.

Zum Abschluss möchten wir an alle Beteiligten appellieren, auf die Bedürfnisse und das Wohlbefinden von Betreuer:innen und Pflegebedürftigen einzugehen und für ausreichend Schlaf und Erholung zu sorgen. Nur so kann eine qualitativ hochwertige Betreuung gewährleistet und das Wohlergehen aller Beteiligten gefördert werden.

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Wie lassen sich Schlafstörungen bei Pflegebedürftigen erkennen und behandeln?

Bei Pflegebedürftigen können Schlafstörungen durch verschiedene Symptome erkennbar sein, wie z.B. häufiges nächtliches Erwachen, Einschlafschwierigkeiten oder frühes Erwachen am Morgen. Um Schlafstörungen zu behandeln, sollten mögliche Ursachen identifiziert und angegangen werden, wie zum Beispiel Schmerzen, Medikamentennebenwirkungen oder Umgebungsfaktoren. Darüber hinaus können Entspannungstechniken und Schlafhygiene-Massnahmen zur Verbesserung des Schlafs beitragen.

Wie kann man die Schlafqualität der Betreuer:innen fördern?

Um die Schlafqualität der Betreuer:innen zu fördern, sollten ausreichende Ruhezeiten und Pausen eingeplant werden. Zudem sollte ein eigener Rückzugsbereich oder Ruheraum für die Betreuer:innen vorhanden sein, um ungestörte Erholung zu ermöglichen. Entspannungstechniken und eine gute Schlafhygiene sind ebenfalls wirksame Massnahmen.

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Beitrag von

Rainer Perprunner

Geschäftsführer und Ansprechpartner für alle Fragen rund um die 24-Stunden Betreuung. Rainer verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung im Personalmanagement und ist seit 2015 im Bereich der Vermittlung von Betreuungskräften für die Live-in-Betreuung von pflegebedürftigen Menschen, die zu Hause betreut werden möchten, tätig. Als Spezialist in allen Fragen der Vermittlung und Betreuung verfügt er über umfassende Kenntnisse in allen rechtlichen, administrativen und organisatorischen Aspekten der häuslichen Betreuung.

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